https://www.faz.net/-gpf-72q2u

Gerüchte über Bettina Wulff : Der vertagte Gegenschlag

  • -Aktualisiert am

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina am vergangenen Dienstag in Duderstadt Bild: dapd

Bettina Wulff wehrt sich gegen die Verbreitung von Denunziationen über ihre Vergangenheit. Die Gerüchte über ihr früheres Leben erhielten politische Brisanz in der Affäre, über die ihr Mann stürzte.

          Anfang des Jahres holte Christian Wulff zu einem Befreiungsschlag aus. Ein erster Versuch, das Feuer, das sich wegen der Affäre um seine Haus-Finanzierung ausgebreitet hatte, vor Weihnachten mit einer Erklärung im Schloss Bellevue und mit der Trennung von seinem Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker zu löschen, war gescheitert. Nun, nachdem bekannt geworden war, dass der Präsident in dieser Sache eine gar nicht präsidiale Nachricht auf der Mailbox des Chefredakteurs der „Bild“-Zeitung hinterlassen hatte, wurde ihm auch aus dem Kanzleramt bedeutet, er möge sich erklären.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Am 4. Januar stellte er sich den Fragen von ARD und ZDF und sinnierte an einer Stelle des Gesprächs über den Preis der Popularität, der darin bestehe, dass man Dinge offenbaren müsse, bei denen viele andere sagten, das würden sie nie machen - „auch im Internet, wenn Sie da sehen, was da über meine Frau alles verbreitet wird an Phantasien“.

          Warum hatte Wulff das Thema von sich aus angesprochen? Warum sprach er von „Phantasien“? Und nicht von Lügen und Unwahrheiten, Verleumdung und Rufmord? Vor 11,5 Millionen Zuschauern? Der Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war lange vorbereitet. Zu seinen Ratgebern zählten seinerzeit unter anderem der CDU-Politiker Peter Hintze, der gewissermaßen als Schnittstelle zwischen Kanzleramt und Schloss Bellevue fungierte, Präsidialamtsleiter Lothar Hagebölling und sein Medienanwalt Gernot Lehr.

          Sorge vor kontraproduktiver Klagewelle

          Schon damals wurde erwogen, wie Vertraute Wulffs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seinerzeit bestätigten, zu einem Gegenschlag auszuholen, um die seit Jahren wabernden Gerüchte über eine angebliche Rotlicht-Vergangenheit der Präsidentengattin Bettina, die nun in der Hauskredit-Affäre wieder die Runde machten, ein für alle mal zu ersticken und gegen jene Medien - seinerzeit waren es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, tatsächlich nur Betreiber esoterischer Internetportale - rechtlich vorzugehen, die zu deren Verbreitung beitrugen.

          Damals sei man aber zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Klagewelle im Affärenmanagement kontraproduktiv sein könnte, erläuterte seinerzeit ein Wulff-Vertrauter. Dem muss nicht widersprechen, dass Frau Wulff heute ihr Zögern, gegen die Verbreitung der Gerüchte vorzugehen, damit erklärt, dass sie diesen durch eine eigene Stellungsnahme nicht zu viel Gewicht geben wollte. Es blieb also bei jenem Satz des Präsidenten und dem Wort „Phantasien“, das im Umfeld Wulffs hernach als unglückliche Formulierung bezeichnet wurde.

          Der Fernsehmoderator Günther Jauch hat am Wochenende einer Unterlassungserklärung eingewilligt, „ohne ein Fehlverhalten“ einzugestehen

          Ein gutes halbes Jahr nach dem Rücktritt des Staatsoberhauptes kommt es nun zu dem seinerzeit vertagten Gegenschlag. Am Freitag hat Bettina Wulff Klagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und den Google-Konzern eingereicht. Zuvor hatte zahlreiche Betreiber von Internetportalen, Blogger und Redaktionen Unterlassungserklärungen abgegeben, einige Verlage haben Schmerzensgeld bezahlt. Frau Wulff selbst hat zur Vorlage bei Gericht eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, nach der die Behauptungen falsch seien.

          An dem Freitag, an dem die Klagen in Hamburg eingingen, druckte die „Süddeutsche Zeitung“ eine große Geschichte für den nächsten Tag, in deren nachrichtlicher Zusammenfassung auf der Seite 1 es hieß, „nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung haben CDU-Kreise in Hannover seit 2006 das Gerücht gestreut, Bettina Wulff habe früher angeblich im Rotlichtmilieu gearbeitet. Die Denunziation sollte offenbar vor allem Christian Wulff treffen.“ Zitiert wird auch eine Bloggerin, „die in regionalen FDP-Gremien sitzt“, welche das Gerücht zehn Tage vor der Präsidentenwahl im Juni 2010 mit auf den Weg gebracht habe.

          Weitere Themen

          Parteiaustritt wegen Brexit Video-Seite öffnen

          May hält an Kurs fest : Parteiaustritt wegen Brexit

          Sollte die britische Premierministerin Theresa May im Parlament keine Mehrheit bekommen, droht ein harter Brexit. Viele sind mit dem Umgang der Regierung mit dem Brexit unzufrieden. Drei Tory-Abgeordnete kehren iher Partei deshalb den Rücken.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.