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Geplante Rentenreform : Ente mit 63

Wäre die Lebenserwartung damals ähnlich hoch gewesen wie heute, hätte dieser mittelalterliche Schmied wohl länger arbeiten müssen als bis 63 Bild: Colourbox.com

Die SPD wollte sich mit den Gewerkschaften aussöhnen. Die Union hatte nichts dagegen. Also einigte man sich darauf, dass manche Leute früher als bisher in Ruhestand gehen können. Doch die Einigkeit ist längst dahin.

          6 Min.

          Überschwemmt Deutschland bald eine Welle von Frührentnern? Fliehen Hunderttausende Facharbeiter, die Deutschlands Stärke auf dem Weltmarkt ausmachen, mit 63 Jahren in die Rente? Oder gar noch früher, weil auch Zeiten der Arbeitslosigkeit anrechnet werden für den Segen der früheren Altersversorgung?

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Kaum ein geplantes Gesetz hat die Gemüter so früh erregt wie jenes über die Rente mit 63. Geboren wurde es aus dem Willen der SPD, sich mit den Gewerkschaften auszusöhnen. Kein anderes Thema hatte diese von der Sozialdemokratie so entfremdet wie die Einführung der Rente mit 67 durch die große Koalition der Jahre 2005 bis 2009. Nun soll die Wunde geheilt werden. Während für Gewerkschaften wie Verdi, die viele Geringverdiener organisieren, der Mindestlohn entscheidend ist, so ist er für die großen Industriegewerkschaften unerheblich. Die Mitglieder der IG Metall und der Chemie-Gewerkschaft IG BCE sind gutverdienende Facharbeiter, die brauchen keinen Mindestlohn. Die Versöhnung der SPD mit diesen Gewerkschaften gelingt nur durch die Senkung des Renteneintrittsalters.

          Der Union war das Ganze kein Herzensthema. Oder besser gesagt: der CDU. CSU-Chef Horst Seehofer hatte schon im Herbst 2010 gegen die Rente mit 67 gewettert, Anfang 2012 startete er eine neue Attacke. Dass die Union in den Koalitionsverhandlungen den Rentenwunsch der SPD so rasch akzeptierte, hatte damit zu tun. Und damit, dass auch die Bundeskanzlerin ein gutes Verhältnis zu den großen Gewerkschaften pflegt. Von einem reinen Tauschgeschäft – Mütterrente der Union gegen Rente mit 63 der SPD – kann kaum die Rede sein.

          Handwerkliche Probleme sorgen für schlechte Presse

          Die Kritik an der Einigung von Rot und Schwarz war von Anfang an heftig. Die Arbeitgeberverbände verdammen die Rentengeschenke der Koalition in Bausch und Bogen, die außenparlamentarische Opposition der Wirtschaftsexperten hält nicht zurück. Neben den hohen Kosten, die man zukünftigen Generationen aufbürde, gilt die Rente mit 63 in Zeiten des Arbeitskräftemangels als ein falsches Signal. Die Arbeitgeberverbände sehen ihre besten Leute schwinden. „Exakte Zahlen liegen noch nicht vor, aber wir gehen davon aus, dass die Metallbranche in den nächsten zehn Jahren mindestens 200.000 Fachkräfte frühzeitig durch die Neuregelung verlieren wird, die dringend gebraucht werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Oliver Zander. Aber ist das bei 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metallbranche eine wirklich erschreckende Zahl?

          Fachleute erweitern die Bedenken ins Grundsätzliche. „Die größte Wirkung, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat die Erhöhung des Renteneintrittsalters“, sagt Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Wenn die Regierung diese Wirkung vermindere, könne sie den Verlust an Fachkräften kaum durch Einwanderung ausgleichen. Hüther geht noch weiter in seinen Warnungen: „Es kann sein, dass durch den Verlust von Fachkräften durch die Rente mit 63 die Nutzung der Zeitarbeit in die Höhe schnellt, weil viele Betriebe den früheren Renteneintritt nicht in ihrer Personalplanung haben.“

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