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Generationenwechsel der EKD : Es werde konkret

Die Philosophiestudentin Anna-Nicole Heinrich bekleidet nun das ranghöchste Laienamt als Präses der Synode. Bild: dpa

Eine 25 Jahre alte Frau übernimmt das ranghöchste Laienamt als Präses der Synode. Die Aufgaben sind groß. Die neue EKD-Synode muss sich zu sexueller Gewalt und Seenotrettung positionieren.

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          Die Evangelische Kirche in Deutschland hat einen Generationenwechsel vollzogen, wie man ihn selten erlebt: Das ranghöchste Laienamt als Präses der Synode hatte bisher Irmgard Schwaetzer inne, 79 Jahre alt und einst Bundesbauministerin im Kabinett von Helmut Kohl. Anna-Nicole Heinrich war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal geboren. Das Kirchenparlament wagte es am Samstag dennoch, die 25 Jahre alte Studentin gleich im ersten Wahlgang zur Präses zu wählen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Dass sich die Tatkraft eines Menschen nicht nur, um einen Buchtitel Margot Käßmanns zu zitieren, „in der Mitte des Lebens“ ballt, hatte bereits Schwaetzer belegt. In den siebeneinhalb Jahren unter ihrer Führung hat das Kirchenparlament einen beachtlichen Wandel vollzogen. Die Synode, die zuvor teilweise einer Einrichtung für Erwachsenenbildung geglichen hatte, hat ihre eigentliche Aufgabe der Kirchenleitung angenommen. Die immer drängenderen Finanz- und Strukturfragen wurden endlich angepackt. Schwaetzer hat diesen Prozess mit preußischem Charme vorangetrieben. Die Synodalen dankten der früheren FDP-Politikerin zum Abschied dafür. Schwaetzer habe „Maßstäbe gesetzt“, würdigte eine Synodale.

          Am Wochenende tagte nun erstmals die neu zusammengesetzte Synode. Dass sie die Reform einschlafen lässt, wie vor 15 Jahren Wolfgang Hubers Projekt „Kirche der Freiheit“, ist angesichts des Problemdrucks kaum vorstellbar.

          Streitpunkt Antifa-Fahne

          Dagegen spricht auch, dass die neue Präses Anne-Nicole Heinrich selbst Mitglied des „Zukunftsteams“ war, das den inhaltlichen Teil der Neuausrichtung erarbeitet hat. Für den harten Kern der Reform war jedoch ein Gremium mit dem tiefstapelnden Titel „Begleitender Ausschuss“ verantwortlich. Dieser Ausschuss hat bei der vergangenen Synodentagung ein 30-Prozent-Sparprogramm vorgelegt, das Kürzungen vor allem bei den Sondereinrichtungen vorsieht, die in den vergangenen Jahrzehnten parallel zu den klassischen Tätigkeitsbereichen der Kirche aufgebaut wurden. Der „Begleitende Ausschuss“ soll nun weitergeführt werden und die Zielvorstellung besteht darin, die Landeskirchen noch stärker einzubinden. Denn sie verteilen den größten Teil der kirchlichen Finanzmittel.

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          Eng verwoben mit der Reform ist die Digitalisierung. In der Pandemie hat sich die evangelische Kirche diesbezüglich erstaunlich wandlungsfähig gezeigt. Die EKD-Synode wirkte auf ihrer zweiten digitalen Tagung beinahe schon routiniert. Der Leipziger Theologieprofessor Alexander Deeg warnte mit Blick auf die Zeit nach Corona jedoch vor einem zunehmenden Auseinanderklaffen in der Gottesdienstkultur. Auf der einen Seite stünden die Liebhaber der klassischen Liturgie, inklusive biblischer Lesungen und alter Gesänge in der Kirche. Ihnen gegenüber stünden Christen, die das Festhalten an solchen Formen als Beleg für eine Abschottung der Kirche werteten. In Amerika hat sich für eine solche innerkirchliche Polarisierung bereits der Begriff „Worship Wars“ etabliert.

          Bereits akut ist die Polarisierung, vor der die EKD bei der Aufarbeitung sexueller Gewalt steht. Aus dem Betroffenenbeirat sind fünf der zwölf Mitglieder ausgeschieden. Eine Auflösung des Gremiums steht im Raum, gegenwärtig werden diskret Gespräche geführt. Im Hintergrund der Streitigkeiten steht vor allem die Frage nach der finanziellen „Anerkennung“ von Leid. Das Thema wird auch die neue Synode weitere Jahre begleiten.

          Zum Dauerthema entwickelt sich auch die Seenotrettung im Mittelmeer. Das mit maßgeblicher Hilfe der EKD bereitgestellte Schiff „Sea Watch 4“ hat in der vergangenen Woche 455 Migranten nach Sizilien gebracht, berichtete Bedford-Strohm. Kritische Fragen bekam der Ratsvorsitzende wegen der Antifa-Fahne auf dem Schiff gestellt. Bedford-Strohm hatte vor einigen Tagen ein Einholen der Flagge erbeten, weil sie das „eigentliche Anliegen“ der Rettungsmission verdecke.

          Manche Synodale hätten sich gewünscht, dass sich Bedford-Strohm deutlich von der Flagge distanziert. „Wir sollten uns nicht mit der Antifa ins Boot setzen“, warnte ein Synodaler aus Sachsen. Die Brandenburger FDP-Politikerin Linda Teuteberg schloss sich der Kritik an. „Antifaschismus“ sei ein „kommunistischer Kampfbegriff“. Andere Synodale, darunter auch die frühere Präses und Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, widersprachen. Auch Bedford-Strohm vertrat die Auffassung, dass die Antifa-Flagge nicht mit Gewalttätigkeit gleichgesetzt werden könne, und trat dafür ein, diese Diskussion zu beenden, weil sie vom Kern der Seenotrettung ablenke.

          Dieser Wunsch wird vermutlich nicht so schnell in Erfüllung gehen, denn die Debatte verweist auf einen wunden Punkt. Weil die EKD das Rettungsschiff nicht selbst betreiben wollte, arbeitet sie mit Organisationen wie „Sea Watch“ zusammen. Bei diesen Aktivisten ist die Seenotrettung allerdings Teil einer umfassenderen und radikal linken Agenda. Es war absehbar, dass für die EKD hier irgendwann Erklärungsbedarf entsteht.

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