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Generalsekretär Andreas Scheuer : Die Doktoren der CSU

Magister also, in Politik und Soziologie. Damit kann man in Passau und in der CSU keinen Blumentopf gewinnen. Politologen und Soziologen – schon für Franz Josef Strauß war das linkes Gschwerl. Seriosität und Gravität waren gefordert. Ein Schritt in diese Richtung: die Promotion. Allerdings war Scheuer der Weg dahin in Passau verbaut, seine Magisterarbeit war einfach zu schlecht. Wie schön, dass es Rudolf Kučera gab, den deutschfreundlichen Professor aus Prag, der gerade in niederbayerischen CSU-Kreisen ein guter Bekannter war. Er wurde Scheuers Doktorvater. Als sich ein paar Jahre später die Kunde von Scheuers Promotion an der Uni Passau verbreitete, ereignete sich an einem Lehrstuhl diese Szene: Drei Mitarbeiter stellten sich vor ihren Ordinarius, blickten verlegen und sagten, sie könnten nichts für das, was er gleich erfahre. Auch in Passau könne niemand was dafür, nicht einmal in ganz Deutschland. Ja, was regt’s euch denn auf, fragte der Ordinarius. Ihre Antwort: Der Scheuer hat promoviert.

Aber nicht nur das. Er war auch „selbständiger Unternehmer“ geworden, wie es in einem alten Bundestagsprofil heißt. Welcher Art seine 2001 gegründete Unternehmung war (oder ist?), darüber gibt es in Passau mancherlei Spekulation. Politikberatung, mutmaßen die einen, andere argwöhnen, Scheuer habe sich womöglich als eine Art Hausmeister um Immobilien seiner Eltern gekümmert. So weit kann es mit dem Unternehmen nicht her gewesen sein, darüber besteht Einigkeit. Scheuer selbst wollte sich dazu auf Anfrage der F.A.S. nicht äußern. Auch zu allen Fragen, die seine Doktorarbeit betreffen, war vom CSU-Generalsekretär nichts zu erfahren.

„Ein klassisches Plagiat“

Die Partei mauert ebenfalls. Die einen wollen dem Eindruck vorbeugen, Scheuer habe eine öffentliche Parteinahme nötig. Andere argumentieren, das Ganze sei doch ein alter Hut und darüber hinaus ein Fliegenschiss. Nur Parteichef Seehofer war offenbar der Meinung, dass Scheuer öffentlichen Beistand nötig habe. Er erklärte die Angelegenheit für erledigt.

Der Wille, an Scheuer festzuhalten, ist groß in der CSU. Natürlich aus Angst, mehr als bloß die Karriere Scheuers könne Schaden nehmen. Aber auch, weil sich Scheuer im Lauf der Jahre Respekt erworben hat. So drängte er 2005 den langjährigen Passauer CSU-Abgeordneten geschickt, aber auch robust aus dem Rennen um die Kandidatur. Und selbst politische Gegner erkennen an, dass er im Verkehrsministerium keine schlechte Figur abgegeben und sich während und nach der großen Flut für die Belange seiner Heimat eingesetzt hat. Scheuer, inzwischen Vater einer kleinen Tochter, war auf dem Weg zu mehr Solidität – bis ihn nun die Vergangenheit einholte.

Auch den Freunden in der CSU ist klar: Die Plagiatsvorwürfe dürfen sich nicht bestätigen, sonst war’s das. Bisher stehen Stellen auf fünf Seiten unter Plagiatsverdacht. Darunter ist die fast wörtliche Übernahme einer Passage aus einer Veröffentlichung der Bundeszentrale für Politische Bildung und eine weitere, noch längere Passage aus einer „Wandzeitung“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Scheuer formuliert jeweils leicht um, fügt aber nicht einen neuen Gedanken hinzu. „Diese Art der Übernahme ist äußerst signifikant. Es handelt sich um ein klassisches Plagiat“, urteilt der Ombudsmann für die Wissenschaft, der Bonner Jurist Wolfgang Löwer. Zwar lasse sich daraus noch keine systematische Täuschungsabsicht ableiten, doch sei eine genauere Untersuchung des gesamten Werks geboten.

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