https://www.faz.net/-gpf-7lg86

Generalsekretär Andreas Scheuer : Die Doktoren der CSU

Karl-Theodor zu Guttenberg, damals noch Wirtschaftsminister, am Times Square
Karl-Theodor zu Guttenberg, damals noch Wirtschaftsminister, am Times Square : Bild: dpa

Scheuer und Guttenberg, da gibt es noch mehr Parallelen. Beide haben sowohl etwas Charmantes, Geschmeidiges als auch etwas „Gschlecktes“, wie es einer sagt, der Scheuer seit langem aus Passau kennt. Scheuers Gelfrisur ist dafür nur ein Beleg unter vielen. Was die beiden vor allem verbindet, ist der Drang, mehr sein zu wollen, als sie sind. In Passau ist diese Eigenart Scheuers wohlbekannt. Eine Glosse über seine angeblichen weiteren Karriereaspirationen (Superminister, Ministerpräsident), an Heiligabend 2013 im „Passauer Wochenblatt“ erschienen, endete mit dem Märchen vom Fischer und seiner Frau. Die Frau wollte immer noch mehr, mehr Glanz und mehr Macht – und fand sich irgendwann vor der kleinen Fischerhütte wieder, an der die ganze Hybris ihren Ausgang genommen hatte.

Den Absturz kennt Scheuer bisher nicht, im Gegenteil: Bei ihm scheint es steil bergauf gegangen zu sein. Geboren 1974, Abi 1994, 1998 Staatsexamen fürs Lehramt an Realschulen, 2001 Magister in Politik, Soziologie und Wirtschaft, 2004 Promotion. Außerdem: von 1997 bis 2003 Vorsitzender des Junge-Union-Kreisverbandes Passau-Stadt, von 1998 bis 1999 „Mitarbeiter des Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber“, von 2001 bis 2007 im Landesvorstand der JU-Bayern, von 2003 bis 2007 Chef des JU-Bezirksverbandes Niederbayern. Bis heute ist Scheuer stellvertretender Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Passau-Stadt sowie Mitglied des CSU-Bezirksvorstands Niederbayern. Im Bundestag sitzt er seit 2002; damals, bei der Stoiber-Wahl, zog er über die Liste ein. Danach wurde er direkt gewählt. Der Rest ist bekannt.

Doktorarbeit? Scheuer schweigt

Doch ganz so mühelos und selbstverständlich, wie sich Scheuers Aufstieg im Lebenslauf liest, war er nicht. So fiel er während seines Studiums an der Universität Passau niemandem als besonderes akademisches Talent auf. Die mündliche Lehramtsprüfung in Sozialkunde legte er bei Heinrich Oberreuter ab, der wissenschaftlichen Eminenz in allen CSU-Fragen. „Ordentlich“ sei die Prüfung verlaufen, sagt Oberreuter trocken. Weil Scheuer aber gar nicht Lehrer werden wollte, sondern in die Politik strebte, schob er noch den Magisterabschluss hinterher. Thema der Magisterarbeit: „Wahlkampf der CSU – eine Betrachtung am Beispiel der Medientouren des Ministerpräsidenten und Parteichefs Dr. Stoiber“. Die hatte Scheuer als Helfer begleitet – nicht als Wissenschaftler. Mindestens einer der beiden Gutachter hegte schwere Bedenken ob der Qualität der Arbeit, schluckte sie aber herunter. Sie wurde als „befriedigend“ gewertet, was im Fach Politikwissenschaft nur äußerst selten vorkommt. Oberreuter, der nicht beteiligt war, formuliert es im Rückblick so: „Andreas Scheuer gehörte nicht zu denen, die sich uns dazu aufgedrängt hätten, dass wir sie zu höheren akademischen Weihen führen.“

Weitere Themen

Massenproteste gegen polnische Regierung Video-Seite öffnen

Umstrittenes Abtreibungsgesetz : Massenproteste gegen polnische Regierung

In Warschau sind mehr als 100.000 Menschen zusammengekommen, um gegen das strenge Abtreibungsgesetz zu protestieren. Viele Frauenrechtsorganisation äußerten ihren Unmut über den konservativ-katholischen Kurs der Regierungspartei PiS.

Topmeldungen

Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
Der amerikanische Präsident Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung

Donald Trump : „Deutschland will mich abgewählt sehen“

Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich unter Donald Trump erheblich verschlechtert. Der amerikanische Präsident ist sich sicher, dass seine Niederlage nicht nur von China und Iran, sondern auch von Deutschland begrüßt werden würde.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.