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Kritik an Kultusministerin : Streit in Baden-Württemberg über Genderstern in der Schule

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper Bild: dpa

Im Südwesten will die grüne Kultusministerin Theresa Schopper Schüler für geschlechtergerechte Sprache sensibilisieren. Dafür erntet sie heftigen Protest.

          2 Min.

          Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat bekräftigt, an den bislang geltenden Regeln des Bildungsplans zur Handhabung einer geschlechtergerechten Sprache in den Schulen festhalten zu wollen. Der Bildungsplan stammt aus dem Jahr 2016 und war noch unter der Führung von sozialdemokratischen Kultusministern erarbeitet worden. Allerdings wirbt die Ministerin dafür, Schülerinnen und Schüler verstärkt für eine gendergerechte Sprache zu sensibilisieren: „Gut ist es auch, wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern auch eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren“, sagte Schopper.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für diese Aussage wird die Ministerin nun vom baden-württembergischen Philologen-Verband sowie vom Koalitionspartner CDU kritisiert. Ralf Scholl, der Landesvorsitzende des Philologen-Verbandes, nannte Schoppers Empfehlung eine „Sprachvergewaltigung“. Isabell Huber, die baden-württembergische CDU-Generalsekretärin, warf der grünen Ministerin sogar vor, Absprachen der vor wenigen Monaten geschlossenen grün-schwarzen Koalitionsvereinbarung zu missachten: „Wir sollten keine Beliebigkeit in Wort und Schrift in unsere Schulen einziehen lassen. Wenn das Kultusministerium jetzt sagt, dass jede Schule oder gar jede Klasse das Gendersternchen handhabt, wie sie gerade möchte, entsteht ein Flickenteppich.“

          Es gebe schließlich ein Regelwerk über die deutsche Sprache. „Ich würde es gut finden, wenn wir uns daran auch halten“, sagte Huber, das stehe ja im Koalitionsvertrag. Anstatt das Trennende mit Sternchen oder Binnen-I stark zu betonen, sei es besser, „klassisch, schlicht und einfach“ beide Geschlechterformen zu nennen.

          Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte, es gebe keine Regeländerung und auch keine neue Verordnung, die an der bisherigen Praxis etwas ändere. Schon heute würden allerdings die Lehrerinnen und Lehrer an den mehr als 4500 Schulen des Landes mit ihren Schülern über eine geschlechtergerechte Sprache diskutieren. Einige Lehrer würden den Gender-Stern schon jetzt – zum Beispiel auf Arbeitsblättern – verwenden, wenn die Schüler damit einverstanden seien.

          Der Rechtschreibrat habe den Asterisk („Gender-Stern“) oder den Unterstrich („Gender-Gap“) nicht in sein Regelwerk aufgenommen, ihn aber auch nicht als falsch verboten. Diese Regelungslücke macht sich das Ministerium offenbar zunutze. Im Bildungsplan aus dem Jahr 2016 werde durchgängig die weibliche und die männliche Form verwendet; wo immer möglich, würden Paarformulierungen wie „Lehrerinnen und Lehrer“ oder neutrale Formen wie „Lehrkräfte“ verwendet. Rechtschreibkompetenzen würden an den baden-württembergischen Schulen weiterhin auf der Grundlage des Amtlichen Regelwerks für die deutsche Orthographie vermittelt.

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