https://www.faz.net/-gpf-8wqdo

Schwarzgeld in Deutschland : Geldwäsche im Möbelhaus

  • -Aktualisiert am

Neue Strategien im Kampf gegen Geldwäsche

Dabei arbeiten die Verbrecher oft auch grenzüberschreitend. Deswegen wird Deutschlands Anti-Geldwäsche-Abteilung neu strukturiert und internationalen Standards angepasst. So kann sie besser mit Behörden in anderen Ländern zusammenarbeiten. 160 Staaten haben die entsprechenden Abteilungen schon so ausgerichtet wie nun auch Deutschland.

Die neue Einheit wird sich auf zwei Felder konzentrieren. Zum einen soll sie die Fälle besser filtern, die sie an Strafverfolgungsbehörden weitergibt. Denn während die Zahl der Verdachtsmeldungen steigt, sinkt die Gesamtsumme der Strafbefehle und Urteile. Nur in zwei Prozent der Fälle, zu denen sich Staatsanwaltschaften 2015 bei der Financial Intelligence Unit zurückmeldeten, kam es zu rechtlichen Konsequenzen. Beim Zoll soll das nun besser werden. Die Zentralstelle entscheidet in Zukunft, welche Fälle erfolgversprechend sind, und gibt diese weiter. Die Ermittlungen selbst übernehmen die Länder, und zwar für alles außer die Finanzfragen; das war bisher auch schon so. Sie kennen sich lokal besser aus. Letztlich bedeutet das auch weniger Arbeit für die Strafverfolger und hoffentlich mehr Erfolg vor Gericht.

Zum anderen soll die Zentralstelle Branchen, die noch nicht so lange Ziel von Geldwäschern sind, für deren Taktiken sensibilisieren. Dazu gehören Kaufhausketten, Autohäuser und Spielbanken. Den Leuten die Gefahr zu verdeutlichen ist erst mal nicht leicht, denn dort, wo Geldwäsche stattfindet, ist meist keine konkret geschädigte Person in Sicht. Außerdem sind die Geschäfte eben lukrativ und daher verführerisch. Aber was im Finanzsektor gelungen ist, soll auch anderswo möglich sein: Die Unternehmen sollen aufmerksamer werden. „Ziel ist, dass alle Verpflichteten, wenn sie zum Beispiel Zweifel an der Identität eines Kunden haben oder hohe Zahlungen in bar über die Theke wandern, sich auf jeden Fall melden“, heißt es im Finanzministerium. Erst wer Geldwäsche in seiner Branche vermutet, kann sie auch erkennen, so die Idee.

Die Tricks der Geldwäscher

Denn die Gangster gehen nicht alle so plump vor wie der unbedarfte Warhol-Liebhaber. Als ein Beispiel nennen Ermittler den Kauf von Gutscheinen mit Bargeld. In exklusiven Möbelhäusern, aber auch bei Musikstreamingdiensten oder in Kaufhausketten können Geschenkgutscheine für hohe Barbeträge gekauft werden. Zahlt jemand fünftausend Euro in bar für iTunes-Gutscheine, sollten Verkäufer hellhörig werden. Eine andere Taktik, um große Summen Bargeld diskret unterzubringen, ist das Stückeln von Zahlungen. Bei diesem Smurfing – zu deutsch: Schlumpfen – werden Gesamtbeträge in kleinere Summen aufgeteilt. Nicht größer als ein Schlumpf. Denn in Deutschland müssen bei Barzahlungen von 15.000 Euro oder mehr die Daten des Käufers vom Verkäufer aufgenommen und fünf Jahre aufbewahrt werden.

Der Schaden, der aus Geldwäsche-Geschäften für die Volkswirtschaft entsteht, muss mit dem Weißwaschen von geklautem Geld nicht zu Ende sein. Das Kapital kann Schlimmerem dienen. Die Financial Intelligence Unit wurde nämlich nicht nur zur Bekämpfung von Geldwäsche im Allgemeinen gegründet, sondern auch als Reaktion auf die Anschläge des 11. September. Zu den Aufgaben der Beamten gehört die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung. Dabei muss es gar nicht unbedingt um Schwarzgeld gehen. Immerhin: Beim Thema Terrorismusfinanzierung sind viele Branchen in den vergangenen Jahren schon viel aufmerksamer geworden. Die Zahl von Menschen, die sich meldeten, weil sie Terrorfinanzierung vermuteten, verdoppelte sich von 2014 auf 2015. Mehr als tausend Fälle wurden an die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz weitergeleitet. So konnten beispielsweise Geldüberweisungen in Höhe von 60.000 Euro an Kämpfer des „Islamischen Staats“ nachgewiesen werden. Die Einheit vermutet, dass die Terrorangriffe auf Charlie Hebdo und das Bataclan in Paris die Menschen wachsamer gemacht haben. Denn nichts sensibilisiere mehr, als zu sehen, welchen Schaden Schwarzgeld mittelbar anrichten kann.

Weitere Themen

Topmeldungen

Sandra Maischberger

TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.