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Pfarrermangel im Osten : Das gerissene Netz

Pfarrer Andreas Ohle hält sonntags bis zu 4 Gottesdiensten in unterschiedlichen Gemeinden und Kichen in der Region. Mit dem Auto fährt er von Dorf zu Dorf und über das Land zu den unterschiedlichen Kirchengemeinden. Bild: Jens Gyarmaty

Der Pfarrermangel hat bisher vor allem Dörfer betroffen. Im Osten macht er sich nun auch in Städten bemerkbar. In Bad Düben entsteht dabei ein Konflikt zwischen der Kirche und einem Förderverein der Bürger.

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          Einen Pfarrer hat es in Bad Düben eigentlich immer gegeben. Der Stadtchronist Lutz Fritzsche kann die Reihe bis auf das Jahr 981 zurückverfolgen. Im Dreißigjährigen Krieg seien die Pastoren zwar rasch gestorben, aber dauerhaft verwaist sei die Stelle nie geblieben, erläutert Fritzsche. Nun jedoch, nach über tausend Jahren, wohnt kein Pfarrer mehr in dem schmucken Pfarrhaus gegenüber der Stadtkirche St. Nikolai.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Das dichte Netz, das seit der Christianisierung das alte Europa überzieht, ist gerissen. Zuerst wurden es immer mehr Dörfer und Kirchen, die ein Pfarrer zu versorgen hat. Für einen evangelischen Landpfarrer in der Region ist es heute nicht ungewöhnlich, wenn er 16 oder 17 historische Kirchengebäude zu betreuen hat. Das Ideal der „übersichtlichen Gemeinde“ ist längst aus dem Blick geraten. Das alte Ensemble aus Pfarrer, Kirchturm und tausend mehr oder minder frommen Seelen findet man insbesondere im Osten Deutschlands nirgends mehr.

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