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Gedenkstunde im Bundestag : Lammert kritisiert Ahmadineschad

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Mit einer Gedenkstunde hat der Bundestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor einundsechzig Jahren gedacht. Bundestagspräsident Lammert griff den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad wegen dessen Leugnung des Holocausts scharf an.

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          Mit einer Gedenkstunde hat der Bundestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor einundsechzig Jahren gedacht. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee das bei Krakau gelegene Konzentrationslager erreicht, in dem auf Geheiß des nationalsozialistischen Regimes mehrere Millionen Menschen, überwiegend Juden, ermordet wurden.

          Bundestagspräsident Lammert (CDU) verwies in seiner Ansprache vor dem Parlament sowie vor den Repräsentanten des Staates und des Diplomatischen Korps auf den gegenwärtigen Antisemitismus. Mit Bezug auf wiederholte Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadineschad sagte Lammert: „Mit Bestürzung haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, daß heute sogar Staatsoberhäupter den Holocaust als ,Märchen' bezeichnen und sich zu antisemitischen Äußerungen versteigen.“

          Der Bundestag habe, so erinnerte Lammert, daraufhin abermals „das Existenzrecht Israels als eine deutsche Verpflichtung bekräftigt“. Auch Außenminister Steinmeier (SPD) wies in einer Erklärung zum Holocaust-Gedenktag auf Ahmadineschad hin und teilte mit, Deutschland werde „auch in Zukunft schockierenden und inakzeptablen Äußerungen wie denen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadineschad mit aller Entschiedenheit entgegentreten“.

          „Großes Zeichen des Vertrauens“

          Der Gastredner der Gedenkveranstaltung, der Vorstandsvorsitzende der Axel-Springer-Stiftung, Ernst Cramer, sagte, es sei ein „großes Zeichen des Vertrauens“, daß sich in Deutschland wieder eine wachsende jüdische Gemeinschaft entwickle. Cramer verwies auf bedenkliche Zeitströmungen und Vergleiche, wie die „recht oft“ vom Antisemitismus geprägte Kritik an der Politik Israels und derjenigen der Vereinigten Staaten von Amerika.

          Der 93 Jahre alte Cramer war 1938 nach der Reichspogromnacht eingesperrt und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden. Er emigrierte später nach Amerika, kehrte 1945 als amerikanischer Staatsbürger und Soldat nach Deutschland zurück und war seit 1958 beim Springer-Verlag als Journalist und Publizist tätig. Lammert würdigte Cramers Verdienste um die deutsch-israelische Verständigung sowie um den Dialog zwischen Juden und Christen in Deutschland.

          „Das Werk von Verblendeten“

          Das Erinnern an die Verfolgung und Ermordung von Millionen europäischer Juden war 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Herzog mit der Bestimmung des Befreiungstages von Auschwitz zum Gedenktag institutionalisiert worden.

          Die Vereinten Nationen haben in diesem Jahr zum ersten Mal einen internationalen Tag zum Gedenken an den Holocaust begangen. Der Generalsekretär der Weltorganisation, Kofi Annan, sagte aus diesem Anlaß, nur indem man sich an das Geschehene erinnere, könne man die Opfer ehren. Die Leugnung des Holocausts sei „das Werk von Verblendeten“. Die Vereinten Nationen seien unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkrieges gegründet worden. Dennoch sei die Weltgemeinschaft massenhaften Greueltaten zu oft nicht entgegengetreten, so Annan. Die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs sei ein wichtiger Schritt zur Verhinderung künftiger Völkermorde.

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