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Gedenkstunde im Bundestag : Komorowski: Deutsch-polnische Verantwortungsgemeinschaft

  • Aktualisiert am

Bronislaw Komorowski während seiner Rede im Bundestag Bild: Reuters

Der polnische Staatspräsident Komorowski hat in seiner Gedenkrede zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Entschlossenheit des Westens gegenüber der russischen Annektions- und Destabilisierungspolitik in der Ukraine gefordert. Dafür fand er starke Worte.

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          In einer Gedenkstunde hat der Deutsche Bundestag an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren erinnert. Nach einer Begrüßung durch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski als Gastredner vor dem Parlament. Der Zweite Weltkrieg begann mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Der 62 Jahre alte Komorowski engagiert sich seit vielen Jahren für die deutsch-polnische Aussöhnung. In seiner Zeit als polnischer Parlamentspräsident  von 2007 bis 2010 kam es zu regelmäßigen Begegnungen mit seinem deutschen Amtskollegen Lammert.

          Dieser würdigte zu Beginn der Gedenkstunde die deutsch-polnische Freundschaft. „Wir erinnern an den verheerendsten Krieg in der Geschichte“, sagte Lammert. Polen sei das erste Opfer dieses Kriegs geworden und habe am längsten unter der deutschen Besatzung gelitten. Deshalb müsse es als „Wunder“ gelten, dass aus Deutschen und Polen Freunde wurden.

          „Schockierende Gewalt auch heute“

          Lammert erinnerte auch an die „industrielle Vernichtung der europäischen Juden“. Polen sei „zum größten Friedhof der europäischen Zivilisation“ geworden. Aber auch heute müsse täglich schockierende Gewalt beklagt werden, etwa in Syrien, im Irak, im Nahen Osten und in der Ukraine, sagte Lammert. Zu den Gästen der Gedenkstunde gehörten neben Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck auch der frühere Bundespräsident Christian Wulff.

          Komorowski würdigte zunächst, dass 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer eine junge Generation von Deutschen und Polen zusammen lernen und arbeiten könnten. Er erinnerte auch an die polnische  Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc, die zusammen mit anderen die Freiheit in Europa möglich gemacht habe. „Was die Europäer verbindet ist die Überzeugung, dass die Würde des Menschen unveräußerlich ist.“

          Komorowski sagte in seiner Rede unter Bezug auf die Krise in der Ukraine: „In Zeiten, in denen wir, die Menschen der freien Welt, uns neuen Herausforderungen stellen müssen, endet unsere Verantwortung nicht an den Grenzen der Europäischen Union. ...  Es ist eine sehr gute Nachricht, dass die Nato beschlossen hat, die Ostflanke des Bündnisses zu stärken. .... Es gibt Mächte in der Welt, die auf eingegangene Verpflichtungen keine Rücksicht nehmen, sobald sie bei ihren bisherigen Partnern eine Schwächung spüren.“

          „Wiedergeburt einer faschistischen Ideologie“

          Unter Bezug auf die Kriege in westlichen Balkan sagte Komorowski, dass die EU und die Nato auch heute „die entsprechende Antwort finden“ mögen. Die westlichen Werte müssten verteidigt werden, ob in der Ukraine, in Syrien oder im Irak. Die Aggressoren dort verachteten „die Werte, die uns wichtig sind“. Komorowski nannte die Entwicklungen in diesen Ländern „die Gefahr einer Wiedergeburt einer faschistischen Ideologie“. Russland greife die fundamentalen Grundsätze einer zivilisierten Gemeinschaft an. „Wir beobachten, dass dabei bewusst vorgegangen wird, um die Europäer untereinander zu zerstreiten.“

          Gerade angesichts zahlreicher und scheinbar fruchtbarer Annäherungsversuche zwischen Polen und Russland äußerte sich Komorowski besonders „enttäuscht“ über diese jüngsten Entwicklungen. Die Motive der derzeitigen Kremlführung sieht er in der „Angst vor einem Erfolg der Demokratisierungsbemühungen in der Ukraine“. Darum müsse der Westen in russischsprachige Medien investieren, um für Aufklärung zu sorgen.Das Leid der ukrainischen Bevölkerung lasse niemanden unberührt.

          Im letzten Teil seiner Rede erinnerte Komorowski an das gemeinsame Leiden von Deutschen und Polen in und nach dem Zweiten Weltkrieg: „Ich kam in einem Haus zur Welt, das Deutsche zuvor hatten verlassen müssen. Ich habe mit Spielzeug deutscher Kinder gespielt. Das Leiden war uns gemeinsam.“ Daraus erwachse die deutsch-polnische Freundschaft und daraus sei Europa erwachsen. Zum Schluss der Gedenkstunde hörten die Abgeordneten und die Gäste gemeinsam die Europahymne.

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