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Nach Gauland-Äußerung : Tausendundein Fehler

Ein mediales Komplott gegen Gauland

Doch Renners Wunsch wird nicht erfüllt. So gewitzt, wie er hofft, sind die Funktionäre seiner Partei nicht. Das belegen nicht etwa Aussagen seiner Parteifreunde, sondern die parteiinterne Dynamik, die auf viele Tabubrüche folgt.

Die Causa Gauland ist dafür das beste Beispiel. Als Reaktion auf den Bericht darüber sagte Renner der F.A.Z.: „Ich glaube, dass das ein mediales Komplott gegen Gauland war. Unmittelbar vor der Europameisterschaft wird die Fußballgemeinde aktiviert, um diese gegen die AfD aufzubringen.“ So sehen das auch Hunderte von Twitter-Nutzern, die seit dem Wochenende unter dem Kürzel „#Lügenpresse“ der Vorstellung folgen, dass Gaulands Äußerung eine schlichte Fälschung sein könnte. Solche Verschwörungstheorien sind auch eine Aussage. Sie machen nur Sinn, wenn Äußerungen, wie jene von Gauland über Boateng, etwas Verwerfliches sind.

So nimmt die Debatte für Gauland einen Verlauf, der für ihn unangenehm ausgehen könnte. Denn die Aussagen und die schriftlichen Aufzeichnungen von zwei Korrespondenten der F.A.Z. belegen seine Äußerung. Entsprechend gewagt scheint die Idee, dass der Provokation Gaulands und der Beschwichtigung durch die Parteivorsitzende Frauke Petry ein strategischer Genius innewohnt. Parteikreise berichten, dass Gauland von Petry angerufen wurde nach der Veröffentlichung seines Boateng-Zitats. Gauland soll danach in der Partei berichtet haben, er sei von Petry angeschrien worden. Eine Arbeitsteilung oder gar stille Absprache zwischen Gemäßigten und Radikaleren sähe wohl anders aus.

Höcke bemüht sich, artig zu sein

Gäbe es solche Absprachen, hätte man sie bei Höcke beobachten müssen. Der thüringische Landesvorsitzende galt lange als oberster Tabubrecher der Partei. Auch er sprach schon, wie Renner, sinngemäß über die Gewieftheit seiner Rhetorik, mit der er Diskursräume erobere. Gar nicht zu diesen Worten passt hingegen, was in der AfD passierte, nachdem sich Höcke auf Demonstrationen betont deutschtümelnd äußerte. Da wurde er nämlich, wie es in der Partei heißt, in den Senkel gestellt.

Die Konferenz der Landesvorsitzenden beauftragte den damaligen Berliner Vorsitzenden Günter Brinker, mit Höcke ein ernstes Wort zu reden. Die beiden telefonierten lange. Von Schulterklopfen oder Einigkeit war nach Informationen der F.A.Z. in dem Gespräch keine Rede. Höcke hatte sich zu rechtfertigen. Ihm wurde die Nachricht übermittelt, er solle diese Provokationen lassen. Sehr „einsichtig“ soll sich Höcke in dem Gespräch gezeigt haben, Fehler soll er zugegeben haben, hieß es danach.

Tatsächlich ist es seither ruhiger geworden um Höcke – mit Ausnahme seiner rassentheoretischen Aussagen über das Fortpflanzungsverhalten von Afrikanern. In dem Fall habe Höcke aber nicht wissen können, dass sein vor kleinem Publikum gehaltener Vortrag öffentlich werde, heißt es in der Partei. Will heißen: Der Mann bemüht sich – im Rahmen seiner Möglichkeiten –, artig zu sein. Die Vorstellung, dass es sich bei Skandalen von Höcke, Gauland, Petry oder Beatrix von Storch – Stichwort: Schusswaffengebrauch – um eine durchdachte Strategie handelt, stützen solche Anekdoten nicht. Dafür scheint der parteiinterne Tadel zu ernst. „Das ist keine Strategie“, sagt ein gut informiertes Parteimitglied, das nicht genannt werden will. „Das sind einfach Fehler.“ Dass sie der Partei trotzdem helfen, schließt er nicht aus.

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