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Gauck-Nachfolge : Leiser Ruf nach Bouffier

Merkel und Bouffier verstehen sich. Folgt nun für den hessischen Ministerpräsidenten der Ruf nach Berlin? Bild: dpa

Gauck verzichtet auf eine zweite Amtszeit, jetzt wird ein Nachfolger gesucht. Ein leiser Ruf geht auch an Hessens Ministerpräsident Bouffier. In Wiesbaden regiert der CDU-Mann schon recht präsidial.

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          Bouffier schweigt, und es ist ja auch nicht so, dass aus Berlin besonders laut nach ihm gerufen würde. Es werden einige CDU-Politiker als mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Gauck genannt, vor allem Lammert, Schäuble und von der Leyen; der hessische Ministerpräsident rangiert deutlich dahinter.

          Dafür gibt es Gründe. Bouffier hat zwar zweifellos an Statur gewonnen, und sein hessisches Amt versieht er schon mit präsidialer Attitüde. Doch mit wegweisenden Reden ist er nicht aufgefallen. Womöglich ist der treue Vasall Bouffier für die Kanzlerin in Hessen auch wertvoller als in Berlin. Zudem kreist der politische Betrieb in der Hauptstadt gern um sich selbst.

          Ohnehin finden sich nur drei frühere Landespolitiker unter den elf Bundespräsidenten: als erster Richard von Weizsäcker, ein Sonderfall, da er nach einer langen bundespolitischen Karriere nur kurz Regierender Bürgermeister von Berlin war, und außerdem Johannes Rau und Christian Wulff.

          Noch ist alles offen und der Wahlausgang nicht vorhersehbar

          All das muss nichts heißen. Beim Casting geeigneter Kandidaten hat es immer wieder überraschende Volten gegeben. Derzeit ist noch offen, welche Parteien einen Kandidaten nominieren und welche Koalitionen sie anstreben. Auch angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung ist der Ausgang der Wahl nicht sicher vorauszusehen. Das könnte jene potentiellen Kandidaten abschrecken, die nach einer Niederlage einen Karriereknick befürchten.

          Sollte Bouffier einem möglichen Ruf folgen wollen, und dafür spricht einiges, dann würde sich auch ihm die Frage stellen, wie er es mit dem Ministerpräsidentenamt hält. Weizsäcker und Rau hatten unter sehr unterschiedlichen Umständen etliche Monate vor der Präsidentenwahl ihren Verzicht auf die landespolitischen Ämter erklärt. Nur Christian Wulff, auch darin der Würde des Amtes nicht gewachsen, erklärte seinen Rücktritt als niedersächsischer Ministerpräsident erst in den Minuten zwischen Wahl und Vereidigung.

          Bouffier dürfte sich ein solches unwürdiges Schauspiel ersparen. Das würde ihm auch dadurch erleichtert, dass der Wahltermin mit Blick auf seine Verantwortung für die hessische CDU ideal liegt. Seinem Nachfolger in Hessen blieben fast zwei Jahre Zeit, um sich mit Blick auf die Landtagswahl Ende 2018 zu profilieren. Diejenigen in Wiesbaden, die sich Chancen auf das Amt ausrechnen, werden besonders interessiert registrieren, ob der Ruf aus Berlin nicht doch lauter wird.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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