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Gauck und Merkel : Der Pfarrer und die Pfarrerstochter

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Bild: André Laame

Die DDR-Vergangenheit verbindet Angela Merkel und Joachim Gauck. Und trennt sie auch. Denn beide wählten verschiedene Wege durch die Diktatur. Die Kanzlerin war braver als der Kandidat.

          8 Min.

          Im Januar 2010 ehrte die Bundeskanzlerin Joachim Gauck zu dessen 70.Geburtstag mit einer warmherzigen Laudatio. Sie enthielt nur eine einzige sehr feine Spitze - gegen Gaucks nun schon fast sprichwörtliche Eitelkeit: Eigentlich, so Angela Merkel, könnte der wortgewandte Herr Gauck die Laudatio auf sich doch am allerbesten selbst halten.

          Ansonsten gab es in der Hommage der Kanzlerin an den ehemaligen Chef der Stasi-Unterlagenbehörde ein bemerkenswertes „Wir“: wir ehemaligen DDR-Bürger. Die Kanzlerin, die diese Vergangenheit sonst selten zum Thema macht, sprach über Erfahrungen und Entbehrungen in der DDR. „Bei aller Verschiedenheit“ hob sie die Gemeinsamkeiten zwischen Gauck und ihr hervor: Es verbinde sie „ja einiges, auch im Persönlichen, nämlich ein großer Teil des Lebens in der ehemaligen DDR und dort auch die immerwährende Sehnsucht nach Freiheit“.

          „Beide sind keine Revolutionäre“

          Der Pfarrer und die Pfarrerstochter, das bürgerliche, protestantische Milieu, die Distanz zum DDR-System - auf den ersten Blick fallen die Gemeinsamkeiten zwischen der Kanzlerin und dem Bundespräsidentenkandidaten ins Auge. Aber wie ähnlich oder unterschiedlich sind sie wirklich, ihre Lebenswege in der DDR und ihr Umgang mit der Diktatur? Die Angepasste und der Aufmüpfige, die Physikerin, die erst aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte, als die Wende eigentlich schon vorüber war, und der Pfarrer, der in Rostock einer der Wortführer in der Zeit des Umbruchs war? „Merkel und Gauck sind sich in vielem ähnlich. Was ihre Haltung zur DDR betrifft, gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede“, sagt der CDU-Politiker Günter Nooke, der seit den Tagen des Physikstudiums in Leipzig eng mit Merkels Bruder befreundet ist.

          Auch „Angela“ kennt er schon seit den achtziger Jahren. Gauck lernte er am „Runden Tisch“ kennen. Rainer Eppelmann, Pfarrer und DDR-Oppositioneller, der nach der Wende auch zur CDU stieß, sieht ebenfalls keine großen Gegensätze zwischen Merkel und Gauck in ihrem Verhältnis zur DDR: „Beide versuchten, anständig durch ihre Leben zu kommen. Beide sind keine Revolutionäre“, sagt er. Merkels Biograph Gerd Langguth dagegen sieht einen Unterschied: „Ich glaube nicht, dass die Kanzlerin gern an die DDR-Zeit erinnert wird“, sagt er. Gauck dagegen sei „mit sich im Reinen“.

          Gaucks Jugend als Schule des Widerstands

          Im Gegensatz zu Merkel, deren Vater dem systemnäheren Teil der evangelischen Kirche in der DDR angehörte, wuchs Gauck in Opposition zum System auf. In einer Opferfamilie. Das Schicksal seines Vaters, der 1951 in den GULag deportiert wurde, hat Gauck in seiner Autobiographie als „Erziehungskeule“ bezeichnet. Auch „die kleinste Form von Fraternisierung mit dem System“ sei ausgeschlossen gewesen. Als Sohn eines Deportierten war es selbstverständlich, dass Gauck weder zu den Pionieren ging noch in die FDJ eintrat.

          „Wenn euch jemand fragt, wann ihr in die Pioniere eintretet“, sagte Gaucks Mutter zu ihren Kindern, „dann antwortet ihr: Ihr könnt wieder nachfragen, wenn wir wissen, wo unser Vater ist und wann er wiederkommt.“ Einmal, so berichtet Gauck in seiner Autobiographie, sei er wegen eines sehr guten Zeugnisses stolz mit einem Abzeichen für gutes Wissen nach Hause gekommen - und bekam von der Mutter eine Ohrfeige: „Sie glaubte, ich sei den Pionieren beigetreten, denn auf dem Abzeichen prangten die Initialen JP.“

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