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Gauck und Käßmann : Pastoren im Kampf um den Krieg

Ultima ratio: Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider, seine Vorgängerin Käßmann und Gauck 2012 im Französischen Dom Bild: picture alliance / dpa

Die evangelische Kirche ist gespalten, wenn es um Krieg und Frieden geht. Joachim Gauck und Margot Käßmann sind die beiden Protagonisten.

          In der Debatte über Deutschlands Verhältnis zum Krieg hat die evangelische Kirche eine erstaunliche Prägekraft. So wären weder die westdeutsche Friedensbewegung noch die in die friedliche Revolution mündende Friedensbewegung in Ostdeutschland ohne engagierte Protestanten denkbar gewesen. Und auch im derzeitigen Streit über Deutschlands neue außenpolitische Rolle führen viele Fäden, teils auf verschlungenen Wegen, zur evangelischen Kirche. Das gilt selbst noch für die Einlassung des brandenburgischen Landtagsabgeordneten Norbert Müller, der Bundespräsident Gauck als „widerlichen Kriegshetzer“ bezeichnet hatte.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Der Linkspartei-Politiker hatte mit diesen Worten über Facebook auf einen Artikel im Parteiblatt „Neues Deutschland“ verwiesen, in dem über einen offenen Brief zweier Ostberliner Pastoren an den Bundespräsidenten berichtet wird. Klaus Galley und Siegfried Menthel schreiben darin an Gauck gerichtet, sie seien beide „evangelische Pfarrer in Ihrem Alter. Wir haben wie Sie in der ehemaligen DDR gelebt und gearbeitet.“ Wie er seien sie dankbar für die Einheit Deutschlands und dass diese Einheit 1989 „ohne einen Schuss der hochgerüsteten Armeen der beteiligten Staaten“ erreicht wurde.

          Damals hätten die Kirchen der DDR das Abschlussdokument einer internationalen ökumenischen Versammlung zum „Verzicht auf militärische Gewalt als Mittel der Politik“ unterzeichnet. Und in einem „Brief an die Kinder“ habe es damals geheißen, „Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass niemand mehr einen anderen Menschen in einem Krieg erschießt.“ Mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz Ende Januar habe sich Gauck jedoch „aus dem Konsens von 1989“ verabschiedet, da er dort „auch von der Notwendigkeit militärischer Konfliktlösungen“ gesprochen habe.

          Systematisch unter Beschuss

          Wegen seiner Rede ist Gauck nicht nur von den beiden Pfarrern und dem Landtagsabgeordnete Müller kritisiert worden. Die Linkspartei nimmt Gauck, der als früherer Pfarrer und Stasi-Aufarbeiter die Personifikation deren ideologischen Feindbilds ist, seitdem systematisch unter Beschuss. Politiker anderer Parteien nehmen ihn in Schutz. Und auch der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider stellte sich vor den Bundespräsidenten, bevor er wegen einer Erkrankung seiner Frau seinen Rücktritt ankündigte. Militär könne zwar „keinen Frieden schaffen“, sagte Schneider dem RBB, „aber es kann dafür sorgen, dass die massiven gewalttätigen Auseinandersetzungen gestoppt werden.“ Und der EKD-Ratsvorsitzende weiter: „Ich vermute mal, dass der Bundespräsident das so gemeint hat. Im äußersten Notfall, wo nur die Anarchie herrscht – da kann es gerechtfertigt sein, dass dann mithilfe von Militär, der Krieg erst einmal zum Ende gebracht wird.“

          Schneider war da gerade von einer Reise in den von Gewalt zerrütteten Sudan zurückgekehrt war, wo sich die EKD besonders engagiert und der Ratsvorsitzende die Kehrseite internationalen Desinteresses besichtigen konnte. Schneiders Äußerungen waren auch von der Friedensethik der evangelischen Kirche gedeckt, die Militäreinsätze als letztes Mittel der Politik nicht von vornherein verneint. Und schließlich ist der Ratsvorsitzende Gauck auch persönlich verbunden. Schneider wohnt in dessen Berliner Wohnung und der Chef des Bundespräsidialamts, David Gill, war bis zur Wahl Gaucks Oberkirchenrat der EKD.

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