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Gauck und die Freiheit : Risiken und Nebenwirkungen

Gauck glaubt an die Kraft seiner Worte Bild: Getty Images

Joachim Gauck redet gut, aber oft zu viel. Als Präsident muss er neue Themen finden. Seine Tränen muss er sparen, seine Eitelkeit kontrollieren.

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          Redner wäre die angemessene Bezeichnung, um die Tätigkeit von Joachim Gauck zu beschreiben. Vorträge und Reden zu halten ist sein Hauptberuf seit Jahren. Gauck glaubt an die Kraft seiner Worte. Es gehe ihm nie nur darum, einfach schön zu reden, sagt er, sondern er wolle Leute damit zum Handeln bewegen. „Es ist mir immer gelungen, Menschen zu etwas zu bringen, was sie sonst nicht getan hätten.“ So schätzt er die Wirkung seines Auftritts ein.

          Markus Wehner
          (mwe.), Politik

          Gauck beeindruckt, weil er frei spricht, die Zuhörer unmittelbar angeht, Gefühle weckt. Seine Reden sind wie Predigten. Der einstige Pastor aus Rostock formuliert einen quasitheologischen Anspruch an sie, wenn er sagt, es gehe ihm in einer Zeit der kommunikativen Störung darum, den Leuten zu sagen, „wozu sie da sind“. Das klingt anmaßend. Für einen Theologen, und sei es im Gewand eines modernen Wanderpredigers, mag es ein angemessener Anspruch sein. Aber ist es das auch für einen Bundespräsidenten?

          Ein ungewohnter, unmoderner Klang

          Gauck will Mutmach-Reden halten. Das könnte, überhaupt und besonders in Zeiten von Krisen, eine der vornehmsten Aufgaben des Staatsoberhaupts sein. Er will, dass die Bürger sich freuen, in einer so freien Gesellschaft zu leben, „dass sie gegen ihre Ängste leben und dass sie dieses Land lieben“. Darunter tut es der Volkstherapeut Gauck nicht. Indes, nicht jeder Bürger will therapiert werden.

          In einer nüchternen Zeit pflegt Gauck das Pathos. Das ist ein ungewohnter, unmoderner Klang, der viele fasziniert. Aber Pathos muss sparsam eingesetzt werden, um nicht hohl zu werden. Für einen Bundespräsidenten Gauck könnte es sich schnell abnutzen, zu einer belächelten Masche werden.

          In der Verbindung mit dem Amt des Präsidenten könnte ihm seine Eitelkeit gefährlich, ja zum größten Risiko werden
          In der Verbindung mit dem Amt des Präsidenten könnte ihm seine Eitelkeit gefährlich, ja zum größten Risiko werden : Bild: dapd

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