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Gauck-Nachfolge : Wer könnte der nächste Bundespräsident werden?

Norbert Lammert: Der 67 Jahre alte Bundestagspräsident könnte mühelos in die Rolle des Staatsoberhauptes wechseln. Der nicht uneitle Rheinländer hat wie Gauck großes rhetorisches Talent, Witz und verfügt über die notwendige intellektuelle Kraft und Tiefe für große Präsidentenreden. Nicht nur in den Führungen von CDU und CSU genießt Lammert große Unterstützung, auch bei Grünen könnte der oft als unabhängiger Kopf agierende Lammert punkten. Wahrscheinlichkeit: hoch

Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen: Die 57 Jahre alte Verteidigungsministerin brachte sich schon einmal nach Köhlers Rücktritt 2010 als Kandidatin selbst ins Gespräch. Mit öffentlichen Andeutungen über eine Nominierung durch Merkel schien sie schon auf dem Weg zur ersten Bundespräsidentin Deutschlands. Doch dann machte ihr Merkels Votum für Christian Wulff einen Strich durch die Karriererechnung. Gegen die ehrgeizige und durchsetzungsstarke CDU-Frau spricht diesmal ihre mögliche Verwendung in der CDU als Merkels Nachfolgerin im Kanzleramt. Für ihre Wahl das Argument: Nach einer Kanzlerin ist Deutschland auch reif für eine Präsidentin. Wahrscheinlichkeit: nicht ohne Chancen 

Gerda Hasselfeldt

Gerda Hasselfeldt: Die 65 Jahre alte CSU-Landesgruppenchefin wäre ein Versöhnungsangebot Merkels an die bayerische (Noch)-Schwesterpartei. Deren unberechenbarer Vorsitzender Horst Seehofer hat allerdings ein gespaltenes Verhältnis zu der stets freundlich und wenig aggressiv auftretenden Parteifreundin, die von Merkel sehr geschätzt wird. Wahrscheinlichkeit: aussichtslos

In der SPD ist die Liste möglicher Bewerber etwas kleiner:

Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier: Der in Umfragen beliebteste Sozialdemokrat  (60) und dennoch erfolglose Kanzlerkandidat 2009 wird immer wieder als möglicher Bundespräsident genannt. Die Nominierung des bedächtigen und staatstragenden Außenministers wäre auch ein Signal für die Fortsetzung der großen Koalition, aber kein personelles Angebot für die  Linkspartei, die von der SPD ein Signal für eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2017 fordert. Auch für die CDU ist ein Bundespräsident Steinmeier samt der damit verbundenen Außenwirkung von vier weiteren Jahren Schwarz-rot wenig attraktiv. Wahrscheinlichkeit: Gering

Navid Kermani

Navid Kermani: Der parteilose und aus dem Iran stammende deutsche Schriftsteller und Orientalist wäre ein überraschendes Angebot, das neben Grünen und Linkspartei auch die Feuilletons der Republik wie einst die SPD-Intellektuelle Gesine Schwan in Schwingung versetzen würde. Der 48 Jahre alte gläubige Muslim und entschiedene Gegner fundamentalistischer Religionsauslegung wäre allerdings für Konservative in der Union in der von AfD-Parolen aufgeheizten Islam-Debatte ein kaum wählbarer Kandidat. Wahrscheinlichkeit: Gering

Auch die Grünen könnten einen Kandidaten mit Strahlkraft und Signalwirkung aufbieten: 

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann: Der baden-württembergische Ministerpräsident gehört in allen Umfragen zu den beliebtesten Politikern. Die Nominierung des 68 Jahre alten Katholiken mit konservativ-ökologischem Wertefundament wäre ein starkes Signal für eine schwarz-grüne Koalition im Bund. Sowohl Angela Merkel als auch Horst Seehofer schätzen Kretschmann. Für die Union hätte ein Wechsel Kretschmanns nach Berlin zudem einen besonderen Charme: In Stuttgart könnte sich die geschwächte CDU nach einem Weggang des populären Landesvaters schneller erholen als gedacht. Größtes Problem: Kretschmann will lieber im Ländle weiter regieren als in Berlin zu residieren und von dort aus die Welt zu bereisen. Wahrscheinlichkeit: Sehr gering

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