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Gauck lobt Bevölkerung : „Einschränkungen nicht überbewerten“

Vorbildlicher Umgang mit der Maskenpflicht: Mitarbeiter und Besucherin in einem Kino in Dresden Bild: dpa

Er hat Unfreiheit und große wirtschaftliche Not erlebt, gemessen daran kommen die Deutschen gut durch die Corona-Krise, sagt der frühere Bundespräsident Joachim Gauck.

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          Die Bürger sollten nach Ansicht des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck die Einschränkungen durch die Corona-Krise nicht überbewerten. Als Achtzigjähriger wisse er „von noch bedrohlicheren Lebenskrisen, von wirklicher Unfreiheit und von noch größerer wirtschaftlicher Not“, sagte Gauck der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Je besser es den Menschen geht, desto größer werden natürlich auch ihre Erwartungen.“ Bislang sei Deutschland aber aufgrund der staatlichen Maßnahmen vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Es gebe daher hinreichend Gründe, zuversichtlich zu bleiben.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zugleich lobte Gauck das Gros der Bevölkerung. „In einer Phase, in der sehr viel Wut und Frust gegen die Regierung hätte entstehen können, ist sogar ein Sympathiebonus für diejenigen entstanden, die Verantwortung tragen. Die Leute sehen dann doch die Vorteile unserer Gesellschaftsordnung.“ Proteste gegen die Corona-Maßnahmen von Anhängern der politischen Ränder kritisierte Gauck. „Ein paar Illiberale rechts wie links tun auf einmal so, als würden sie Freiheitseinschränkungen nicht ertragen“, sagte er. „Das kommt mir komisch vor.“

          Kretschmann im Netz attackiert

          Eine besonders heftige Auseinandersetzung im Zuge eines Corona-Themas hat es am Wochenende jedoch in Baden-Württemberg gegeben. Das Staatsministerium sah sich genötigt, die Facebook-Seite von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag vorübergehend zu schließen. Ein Sprecher der Landesregierung sagte, es habe „massive Angriffe“ von sogenannten Corona-Rebellen auf die Seite gegeben, sie hätten zum Teil strafrechtlich relevante Inhalte sowie Verschwörungstheorien auf der Seite verbreitet. Ein normaler Betrieb der Seite sei nicht mehr möglich gewesen, innerhalb von 20 Stunden habe es etwa 4000 Kommentare von Störern gegeben.

          Die Redakteure für die sozialen Medien im Staatsministerium beklagen sich seit Monaten über äußerst aggressive Posts und Mails zur Pandemie-Politik der grün-schwarzen Landesregierung. Kretschmann hatte in einem Podcast am Freitagabend vor weiteren Corona-Infektionswellen gewarnt und die Bürger zur Vorsicht aufgerufen; in der vergangenen Woche war er im Wartebereich des Berliner Flughafens selbst ohne Mund-Nasen-Schutz fotografiert worden. Der grüne Politiker hatte sich dafür entschuldigt, er habe beim Warten einige Süßigkeiten gegessen. Er sagte außerdem: „Seit vielen Monaten kämpfen wir mit Corona. Und es ist noch nicht vorbei. In manchen Kommentaren auf meiner Facebook-Seite hört sich das anders an.“ Er erklärte, dort schrieben manche Mitbürger, die Pandemie sei jetzt weitgehend vorüber und das mit den Schutzmaßnahmen müsse man nicht mehr so ernst nehmen. „Ich sage Ihnen ehrlich: Solche Kommentare bereiten mir echte Sorge.“

          Seite vom Netz genommen: der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)
          Seite vom Netz genommen: der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) : Bild: dpa

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