https://www.faz.net/-gpf-7rxif

Gauck gegen Antisemitismus : „Wir wollen das nicht länger hinnehmen“

  • Aktualisiert am

Streiter sagte, antisemitische Straftaten würden konsequent und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt. Die Bundesrepublik sei dem Staat Israel freundschaftlich und partnerschaftlich verbunden und werde sich weiter „mit voller Kraft“ für die jüdische Gemeinschaft hierzulande und die deutsch-israelischen Beziehungen einsetzen.

Auf pro-palästinensischen Demonstrationen in Deutschland und europäischen Großstädten waren seit dem Wochenende wiederholt antisemitische Parolen und Gewaltaufrufe gegen Juden und Israelis zu hören gewesen. Dies hat eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland angefacht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, nannte es „entlarvend, wenn Proteste gegen das aktuelle Vorgehen der Armee Israels im Gazastreifen mit menschenverachtender Judenfeindschaft verbunden werden.“ Das sei beschämend, so Schneider in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an Graumann.

Israels Minister für Internationale Beziehungen, Yuval Steinitz, nannte die Parolen eine Gefahr. „Ja, Kritik an Israel ist legitim. Wir sind eine Demokratie. Aber diese angeblichen Friedenskämpfer wollen uns das Recht absprechen, unser Leben zu schützen“, sagte Steinitz der „Bild“-Zeitung. Steinitz sprach von purem Antisemitismus.

Aus Sicht des Direktors des vom American Jewish Committee (AJC) eingerichteten Europäischen Büros zum Antisemitismus, Stephan Kramer, hat das Niveau von Gewalt deutlich zugenommen. „Es hat eine Qualität, die uns einfach nicht ruhen lässt, dazusitzen, so zu tun, als wenn nichts passiert wäre“, sagte Kramer im NDR Info. Kritik an Israel dürfe sein, ebenso Demonstrationen, aber beides dürfe nicht in Hasstiraden und Antisemitismus umschlagen.

Historiker warnt vor Übertreibung

Der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz sieht indes keinen wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Zwar habe es antiisraelische Demonstrationen gegeben, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Auch seien am Rande einer antiisraelischen Demonstration antisemitische Parolen gerufen worden. Deshalb von antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland zu sprechen, „halte ich für übertrieben“, so Benz. „Seltsame Leute“ haben laut Benz „blödsinnige Parolen“ gerufen. „Das wird von Interessenten mit großem Medienhall als Wiederaufflammen des Antisemitismus dargestellt, als sei es so schlimm wie nie zu vor.“

Nach den Worten des Historikers gibt es in Deutschland einen beklagenswerten Antisemitismus. „Aber es ist ein konstanter Bodensatz in der Gesellschaft und keineswegs eine Lawine, die größer und größer wird.“ Der frühere Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung sagte, dass „die Stimmung gegenüber dem Staate Israel immer schlechter“ werde. Das habe aber seine Gründe. „Das ist kein Antisemitismus“, so Benz. „Das wird aber von Aktivisten auf diesem Gebiet sehr gerne so dargestellt.“ Auch die israelische Regierung habe ein Interesse daran, dass jede Kritik an ihren Handlungen als Antisemitismus verstanden werde. „Aber nicht jeder, der den Gaza-Krieg missbilligt und Mitleid mit getöteten oder verletzten palästinensischen Zivilisten hat, ist deshalb ein Antisemit.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Trump und Biden am Dienstag bei der ersten Fernsehdebatte.

Präsidentenwahlkampf : Trump und die „Proud Boys“

Donald Trump hatte gehofft, die erste Fernsehdebatte werde die Wende im Präsidentenwahlkampf bringen. Doch sein Auftreten hat das Gegenteil bewirkt – ebenso wie seine Äußerungen zu den „Proud Boys“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.