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Streit über Thierse-Beitrag : Wie „verqueer“ ist die SPD?

  • -Aktualisiert am

Streitbarer Genosse: Wolfgang Thierse Bild: Picture-Alliance

Im Streit über einen F.A.Z.-Beitrag von Wolfgang Thierse zur Identitätspolitik hat die SPD-Vorsitzende versagt. In normalen Zeiten hätte eine souveräne Parteiführung zu einer Debatte auf neutralem Boden eingeladen. Ein Gastbeitrag.

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          Die vergangene Woche hätte eine schöne und erfolgreiche für die SPD sein können. Als erste der Parteien hat sie einen veritablen Kanzlerkandidaten und seit Wochenbeginn sogar ein Programm. Dass es anders kam, zeigt: Erstens kommt es bei der SPD immer anders als geplant. Zweitens scheint sie bis heute nicht zu wissen, was politische Kommunikation bedeutet. Statt über ihr Programm zu debattieren, beschäftigen sich Partei-Establishment und Hauptstadtmedien seit gut einer Woche mit den Spaltlinien einer Partei, die ohnehin an politischer Schwindsucht leidet. Dies war vermeidbar, aber die Parteivorsitzende wollte es wohl so.

          Der Ausgangspunkt: Die F.A.Z. hat am 22. Februar einen Text von Wolfgang Thierse veröffentlicht, in dem er den Anspruch sexueller und anderer Minderheiten kritisiert, ausgehend von ihrer Identität selbst zu definieren, was für sie richtig und gegebenenfalls unerträglich ist, statt sich dem offenen und kontroversen Streit darüber auszusetzen. Der Vorwurf, etwas sei verletzend, trete oft an die Stelle der argumentativen Auseinandersetzung. Thierse sorgt sich um den Zusammenhalt des Gemeinwesens. Nach dem Eindruck der überwiegenden Zahl von Kommentaren hat er versucht, nicht nur seine Sicht zu markieren, sondern ein Angebot für einen Minimalkonsens der Sozialdemokratie in dieser Hinsicht zu entwickeln. So weit, so im Rahmen dessen, was eigentlich „normal“ und diskutabel ist.

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