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Gaschkes Eilentscheidung rechtswidrig : Endspiel in Kiel

Familienheim als Sicherheit für die Banken

Uthoff selbst hat in einem Interview mit den „Kieler Nachrichten“ von Flugzeug, Yacht und Haus erzählt. Das Flugzeug sei ein Oldtimer und müsse repariert werden, die Yacht, eine Sunseeker Tomahawk, sei ebenfalls mehr als 30 Jahre alt, die „Sylter Doppelhaushälfte“ diene als Sicherheit für eine Bank. Auch sein Familienheim diene als Sicherheit, für die Banken, „die 2009 den Ausbau der Klinik mitfinanziert haben“. Im Interview antwortete Uthoff auf die Frage „Sie leben also nicht im Luxus?“ mit: „Das ist doch ein Witz. Vergleichen Sie doch mal: Ich fahre einen geleasten BMW. Die ärztlichen Direktoren anderer Kliniken haben einen dicken Mercedes. Aber mir wird das angelastet.“

Das Gerede über den schillernden Augenarzt war ein Problem für Gaschke. Aber sie hatte noch ein größeres: In der schleswig-holsteinischen SPD brach Krieg aus. Auf der einen Seite Ministerpräsident Torsten Albig, Landeschef Ralf Stegner, Innenminister Andreas Breitner, auf der anderen Susanne Gaschke und ihr Ehemann, der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels. Gaschke verwies auf Albigs Rolle im Steuerfall. Er habe doch ebenfalls einen Vergleich angestrebt. Sie war auch der Meinung, Albig nehme Einfluss auf die Kommunalaufsicht. Das schloss sie aus einer SMS, die er ihr geschickt hatte. Es folgten Drohungen, der Vorwurf der Nötigung.

Inzwischen gibt es in der SPD einen offiziellen Friedensschluss. Mehr als das ist es nicht. Ein Kalter Krieg.

„Jeder andere würde in einer solchen Situation wohl zurücktreten“

Als Innenminister Breitner am Mittwoch das Ergebnis der Kommunalaufsicht bekanntgab, sagte er, die Kommunalaufsicht habe nicht persönliches Fehlverhalten zu ahnden. Aber er habe die Erwartung, „dass die Landeshauptstadt Kiel nun in eigener Verantwortung alle erforderlichen Schritte unternimmt, um wieder einen rechtmäßigen Zustand herbeizuführen“. Ähnlich kommentierte SPD-Landeschef Stegner das Ergebnis. Die „Verwaltungsspitze der Landeshauptstadt Kiel“ müsse die Konsequenzen ziehen. Also Gaschke.

Seit Wochen ist sie wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben. Die vergangenen Monate haben ihr zugesetzt. Aufgegeben hat sie aber nicht. Noch am 18. Oktober schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite als Reaktion auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel wegen des Anfangsverdachts der Untreue in besonders schwerem Fall: „Ich bin schlimmen Anschuldigungen und Vorverurteilungen ausgesetzt. Dagegen wehre ich mich.“

Albig hatte Gaschke in seiner SMS geschrieben: „Fehler zu machen, lässt einen fast nie stürzen – nur der Umgang mit ihnen.“ CDU-Ratsherr Kruber sagt, dass Gaschke jetzt nicht in dieser Situation wäre, wenn sie in den vergangenen Monaten anders reagiert hätte, wenn sie nicht so emotional gewesen wäre, wenn sie sich nicht auf einen Krieg mit ihrer Partei eingelassen hätte. „Sie hätte zwar das Problem mit der Eilentscheidung, aber sie hätte keinen persönlichen Schaden.“ Kruber sagt auch: „Jeder andere würde in einer solchen Situation wohl zurücktreten.“

Seit Mittwoch steht Susanne Gaschke einsamer da als je zuvor in ihrer Amtszeit. Sie werde sich „nach Genesung und dienstlicher Präsenz“ über „ihren weiteren persönlichen Umgang mit der aktuellen Situation“ äußern, ließ sie über ihren Anwalt mitteilen. Morgen wird Gaschke, sofern es ihre Gesundheit zulässt, ins Rathaus zurückkehren.

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