https://www.faz.net/-gpf-7itvl

Gaschkes Eilentscheidung rechtswidrig : Endspiel in Kiel

Gaschke unterschrieb die Eilentscheidung. Sie sah keine Gefahr, vertraute ihren Mitarbeitern.

Die Sommerferien begannen – und die Kieler Woche. Dort liefen sich an einem Bierstand der Vorsitzende der Kieler CDU-Ratsfraktion Stefan Kruber und Stadtkämmerer Wolfgang Röttgers über den Weg. Röttgers sagte zu Kruber, er müsse mit ihm wegen des Falls Uthoff telefonieren. Kruber hatte nach eigenem Bekunden noch nie von dem Fall gehört, aber der Name Uthoff sagte ihm etwas.

Am Mittwoch, dem 26. Juni, telefonierten Kruber und Röttgers. Der Kämmerer erzählte Kruber von der Eilentscheidung. Kruber verstand sie nicht. Wieso schenkte die Stadt dem Augenarzt mehr als 3,6 Millionen Euro? Der Vorgang sei möglicherweise rechtswidrig, man müsse ihn stoppen. Kruber, der Rechtsanwalt ist, erkannte die Brisanz sofort, ohne die Akte oder die Eilentscheidung zu kennen. Nach Krubers Angaben erwiderte Röttgers, dass der Vorgang nicht mehr zu stoppen sei. Das Schreiben an Uthoff sei schon verschickt. Davon ging Röttgers jedenfalls aus, heißt es in der Stadtverwaltung. Allerdings war das nicht der Fall: Die Stadt wartete noch auf Unterlagen von Uthoff. Erst am 9. Juli verließ das Schreiben das Kieler Rathaus.

Eklat in der Ratsversammlung

Kruber beantragte Akteneinsicht. Mit einem Kollegen, einem Fachmann für Steuerrecht, schaute er sich die Akte an. Am 30. Juli trafen sich nachmittags Kruber und Gaschke. Er äußerte seine Bedenken. Kruber sagt, Gaschke habe so gewirkt, als verstehe sie seine Einwände. „Sie sagte sinngemäß: Das klingt böse.“

Gaschke veranlasste nach dem Gespräch eine Prüfung des Vorgangs durch die Mitarbeiter im Rathaus: „Wichtigkeit hoch!“ Am 7. August bekam sie das Ergebnis: Alles in Ordnung. Das teilte sie Kruber mit.

Kruber blieb bei seiner Meinung. Die Eilentscheidung sei zu widerrufen. Das beantragte er auch. In der Ratsversammlung am 22. August kam es zum Eklat. Susanne Gaschke fühlte sich persönlich angegriffen. Zu Kruber sagte sie: „Ihr Vater war Professor für Politik und Wirtschaft...Würde er Ihren Antrag der politischen Kultur für zuträglich halten?“ Die vielen Jahre im „milden Redaktionsklima der Zeit“ hätten es ihr unmöglich gemacht, „den politischen Gegner zu verabscheuen“. Das tue sie auch jetzt nicht. „Aber ich bin zutiefst enttäuscht. Und ich finde, es wäre an Ihnen, sich zu überlegen, ob Sie wirklich so sein wollen, ob Sie wirklich dieses Spiel weiterspielen wollen.“ Krubers Antrag wurde abgelehnt, mit Stimmen von SPD, Grünen und vom Südschleswigschen Wählerverband.

Gerüchte über Uthoffs Vermögen machten in den Wochen darauf die Runde in Kiel. Sein Haus auf Sylt, sein Flugzeug, seine Yacht. Nichts, was Verständnis für Gaschkes Entscheidung weckte.

Weitere Themen

Topmeldungen

Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

„Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.