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Gabriele Pauli : Unbekümmert

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Gabriele Pauli Bild: ddp

Nach ihren Spitzelvorwürfen gegen die Bayerische Staatskanzlei nutzt die Fürther Landrätin Pauli das öffentliche Interesse, um den CSU-Vorsitzenden zum Verzicht auf die Spitzenkandidatur aufzufordern. Ein Porträt der gefährlichsten innerparteilichen Gegnerin Stoibers. Von Albert Schäffer.

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          Einschüchtern läßt sich Gabriele Pauli nicht, die Fürther „Jeanne d'Arc“, wie sie halb spöttisch, halb respektvoll in der CSU genannt wird. Unbeeindruckt von dem medialen Wirbelsturm, der um ihre Person entfacht worden ist, bekräftigte sie am Donnerstag ihre Forderung, der Parteivorsitzende Stoiber solle auf eine abermalige Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl verzichten. Wenn Stoiber den Weg frei mache, böten sich ausreichend andere personelle Möglichkeiten für die Partei, resümierte Frau Pauli in der ihr eigenen Unbekümmertheit.

          Die 49 Jahre alte Fürther Landrätin ist zur gefährlichsten innerparteilichen Gegnerin Stoibers geworden - durch die Ungeschicklichkeit seiner eigenen Leute. Ein an sich nicht ungewöhnliches Telefonat von Stoibers Büroleiter mit einem Parteifreund, in dem Erkundigungen über Frau Pauli eingeholt wurden, wurde durch unbeholfene Öffentlichkeitsarbeit in die Nähe einer Staatsaffäre gerückt. Statt frank und frei zu sagen, natürlich sei es bei dem Gespräch unter zwei alten CSU-Fahrensleuten nicht nur darum gegangen, ob die Landrätin die Abfallbeseitigung im Landkreis im Griff habe, wurden semantische Ausflüchte gesucht.

          Qualitäten, wie sie Medienleute lieben

          Brisant ist dieser Versuch einer Camouflage für Stoiber, weil seine Bindekräfte in die CSU hinein schwinden. Frau Pauli wird zwar nicht viele Gefolgsleute um sich scharen können, die sich öffentlich für sie in die Bresche werfen, von dem einen oder anderen notorisch unzufriedenen Mandatsträger abgesehen. Aber wenn sich ihre Klagen, in dem Telefonat habe Stoibers Büroleiter sich allzu neugierig gezeigt, ob sie durch Alkoholgenuß oder Liebschaften auffalle, über die Feiertage in den Schlagzeilen halten, wird das als weiteres Indiz für eine Führungsschwäche Stoibers gewertet werden.

          Leicht wird es für Stoibers Helfer nicht sein, die öffentliche Aufmerksamkeit von Frau Pauli abzuziehen - schon gar nicht durch Verlautbarungen, wie sie am Donnerstag die Staatskanzlei verließen: „Stoiber startet neue Hausbergbahn in Garmisch-Partenkirchen.“ Frau Pauli hat Qualitäten, wie sie Medienleute lieben. Allein die Bilder der Landrätin im Sattel des feuerroten Motorrads, das sie in ihrer Freizeit über die Straßen bewegt, läßt die Furcht vor feiertäglicher Nachrichtenleere schwinden.

          Stoibers Hoffnung

          Die Stilisierung zur heiligen Johanna der CSU auf dem Feuerroß könnte allerdings auch eine Chance für Stoiber bergen. Nämlich dann, wenn aus der öffentlichen Wahrnehmung gerät, daß die promovierte Betriebswirtin eine gestandene Politikerin ist, die seit 1990 dreimal in Folge direkt als Landrätin des Landkreises Fürth gewählt wurde, zuletzt mit 65,4 Prozent der Stimmen. Und wenn die bunten Etiketten, die ihr angeheftet werden, verdecken, daß sie für einen beachtlichen Teil der CSU steht, der nicht mit großem Wohlbehagen an eine abermalige Spitzenkandidatur Stoibers denkt.

          Es mag die Hoffnung sein, Frau Pauli möge einen süßen politischen Tod als Boulevard-Ikone erleiden, die Stoiber zögern läßt, selbst einmal zum Telefonhörer zu greifen und Frau Pauli zu einem Gespräch in die Staatskanzlei zu bitten (siehe dazu: Bespitzelungsvorwürfe: Beckstein will mit Pauli reden). Beim gemeinsamen Foto könnte auf das Motorrad der Landrätin ja verzichtet werden, schon wegen der schwer zu entscheidenden Frage, wer denn auf dem Soziussitz Platz nehmen sollte.

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