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Deutschland und die Ukraine : Gabriel fordert Diskussion über deutsche Waffenlieferungen

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Sigmar Gabriel (SPD), Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V. Bild: dpa

Der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel fordert eine klare Linie Deutschlands und Europas in der Ukraine-Krise: „Wir Europäer müssen lernen, unsere Interessen selbst in die Hand zu nehmen.“

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          „Die Wahrheit ist, man kann sich bei Rüstungslieferungen immer schuldig machen - durch Handeln und durch Nichthandeln. Was wir bei der Ukraine jetzt brauchen, ist eine Diskussion ohne Tabus und Denkverbote in der Öffentlichkeit und im Bundestag“, sagte Sigmar Gabriel (SPD) der „Bild am Sonntag“.

          Die Bundesregierung sieht sich seit Wochen Forderungen nach einer stärkeren Unterstützung der Ukraine im Konflikt mit Russland gegenüber, hält aber an dem Prinzip fest, keine Waffen in Konfliktgebiete zu liefern. Gabriel verwies darauf, dass die Bundesregierung vor einigen Jahren schon einmal von diesem Grundsatz abgerückt sei, als sie kurdischer Einheiten im Nordirak im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen unterstützte.

          Vom Handeln Europas und Deutschlands im Ukraine-Konflikt zeigte sich Gabriel tief enttäuscht: „Derzeit überlassen wir die Preisschilder für Krieg in Europa den Amerikanern. Ich finde das beschämend“, sagte der Vorsitzende der Atlantik-Brücke.

          „Interessen selbst in die Hand“ nehmen

          „Wir sind uneinig in der Beurteilung der Situation in der Ukraine, haben Angst um unsere Wirtschaftsinteressen und sind froh, dass andere für uns die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen“, sagte Gabriel über die Rolle Europas in dem Konflikt. „Wir Europäer müssen lernen, unsere Interessen selbst in die Hand zu nehmen.“

          Die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 sollte laut Gabriel bei einem Einmarsch Russlands in die Ukraine gestoppt werden. „Militärische Angriffe Russlands auf die Ukraine wären der Todesstoß für Nord Stream 2", sagte der SPD-Politiker. Es sei aber richtig, dass sich Deutschland bislang nicht von dem Projekt verabschiedet habe: „Wenn man mit Russland verhandeln will, dann muss man möglichst viel auf dem Tisch liegen lassen und möglichst wenig vorher schon beerdigen.“

          Vorschlag eines UN-Mandats

          Zur Befriedung des Konflikts in der Ostukraine schlägt Gabriel ein robustes UN-Mandat vor: „Was dort nötig wäre, ist eine internationale UN-Friedensmission, die den Waffenstillstand, den Abzug schwerer Waffen und die Beendigung jeder Gewalt dort robust durchsetzt – notfalls auch mit Waffen.“

          Russland hat nach westlichen Angaben mehr als 100.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Den Westen treibt deshalb die Sorge um, dass Russland nach der Annexion der Krim 2014 einen Einmarsch in das Nachbarland vorbereitet.

          Der Kreml bestreitet Angriffspläne, führt aber gleichzeitig ins Feld, sich von der Ukraine und der Nato bedroht zu fühlen. Von der Nato fordert Präsident Wladimir Putin daher schriftliche Zusagen etwa zum Verzicht auf eine weitere Osterweiterung. Die USA und ihre westlichen Verbündeten weisen dies zurück.

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