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Für medizinisches Personal : Berlin baut „Luftbrücke“ für Schutzmasken auf

Heiß ersehnt: Ein Lufthansaflugzeug wird in Schanghai beladen. Bild: Reuters

Aus Schanghai soll dringend benötigtes Material nach Deutschland geflogen werden. Doch bei den Lieferungen gibt es einige Hindernisse.

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          Um dringend benötigte Atemschutzmasken- und Schutzanzüge für medizinisches Personal zu besorgen, hat die Bundesregierung eine „Luftbrücke“ organisiert. So soll täglich eine Passagiermaschine der Lufthansa nach Schanghai fliegen, die 25 Tonne Fracht transportieren kann, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch mit. Hinzu kommen mögliche weitere Transporte durch Maschinen der Bundeswehr. So soll flexibel auf das Warenangebot reagiert werden.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Schutzausrüstungen sind derzeit weltweit knapp, sie fehlen in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen. Die Bundesregierung versucht deshalb, eine zentrale Beschaffung auf die Beine zu stellen. Doch die Bedingungen, die beim Einkauf und bei den Lieferungen herrschen, machen das Geschäft schwierig.

          Zwischenhändler könnten ihre Lieferverpflichtungen oft nicht erfüllen, heißt es in einem Bericht des Ministeriums, aus dem die Deutsche Presse-Agentur zitiert. Auch würden Fälschungen angeboten oder die Qualitätsstandards bei den Lieferungen nicht beachtet. Deshalb gebe es bei den Prognosen, wann Lieferungen tatsächlich ankommen, große Unwägbarkeiten.

          China ist der wichtigste Produzent von Schutzausrüstungen, dort gibt es rund tausend Hersteller. Von der zentral beschafften Ausrüstung sollen 85 Prozent an Einrichtungen im Gesundheitssektor gehen, 15 Prozent an Bundesbehörden, etwa an die Bundespolizei oder das Technische Hilfswerk.

          Zuletzt hatte eine Lieferung von 200.000 Schutzmasken nach Berlin zu Streit zwischen dem Berliner Senat und der amerikanischen Regierung geführt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte von einem „Akt moderner Piraterie“ gesprochen, nachdem auf dem thailändischen Flughafen Bangkok die Masken mutmaßlich in die Vereinigten Staaten umgeleitet worden waren. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte sogar Präsident Donald Trump vorgeworfen, sein Verhalten sei „unmenschlich und inakzeptabel“.

          Die amerikanische Seite wies die Vorwürfe zurück und sprach von „Desinformationskampagnen“. Müller hatte sich daraufhin am Dienstag für seine Äußerung entschuldigt. „Da ist eine Schärfe reingekommen durch die Stellungnahme von Herrn Geisel und mir, die bedauere ich. Es tut mir leid“, hatte Müller gesagt. Es habe „große Anspannung“ geherrscht, weil man nicht gewusst habe, wann wie viel Material geliefert werde, das knapp gewesen sei. „Vielleicht sollten wir diese Auseinandersetzung auch mal ruhenlassen“, sagte Müller.

          Die amerikanische Botschaft reagierte auf Müllers Worte. Man nehme „die Entschuldigung des Bürgermeisters zur Kenntnis“, teilte die Botschaft in Berlin mit. Man bedauere, „dass die Vorwürfe, die wir zurückgewiesen haben, zu weiteren Spannungen geführt haben“. Es gehe um eine Krise, die „wir alle gemeinsam überwinden wollen“.

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