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TV-Fünfkampf in Bayern : Ein Wahlkampf-Quintett zum Austoben

  • -Aktualisiert am

Geht für die bayerische SPD ins Rennen: Natascha Kohnen Bild: EPA

Kurz vor der Landtagswahl in Bayern dürfen die „kleinen“ Parteien ihre Geschütze auffahren und im TV-Fünfkampf präsentieren. Die AfD kam dabei ohne Spitzenkandidaten – und die SPD mit viel Routine. Gewonnen hat aber jemand anderes.

          Der sogenannte TV-Fünfkampf, der am Freitagabend vom Bayerischen Fernsehen veranstaltet und übertragen wurde, kam ohne die Beteiligung einer Regierungspartei aus, in diesem Fall also der CSU. Das war definitiv ein Vorteil, denn so gab es niemanden, der die Einlassungen der anderen als nicht finanzierbar, realitätsfern oder traumtänzerisch abtun konnte. Jeder der fünf Diskutanten – Natascha Kohnen von der SPD, Martin Hagen von der FDP, Martin Sichert von der AfD, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern sowie Ates Gürpinar von der Linkspartei – konnten sich also voll austoben und fordern und verlangen, was das Zeug hält. Insbesondere Gürpinar, dessen Partei sich quasi auf den letzten Drücker durch einen Umfragewert von fünf Prozent im „Bayerntrend“ für die Runde qualifiziert hatte, war ein belebendes Element. Schon durch sein mal mildes, mal müdes Lächeln, das er den meisten seiner Antworten voranstellte, machte er deutlich, dass er die Argumente der anderen im Grunde allesamt für politische Kleinkrämerei hielt.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Man will sich zwar nicht unbedingt vorstellen, was zum Beispiel mit den sowieso schon dezimierten Grünflächen des schönen Bayerns passieren würde, wenn man Gürpinars Vorschlag, der Staat solle für jede Wohnung, die er für jede Flüchtlingsfamilie bauen solle, jeweils eine zweite Wohnung für sozial Schwache hierzulande dazustellen, tatsächlich umsetzen würde. Aber eines muss man ihm in jedem Fall lassen: Er erinnerte die Mitbewerber daran, dass man auch mal ganz anders denken kann, was insbesondere für SPD-Politiker eine schmerzliche Erinnerung an ganz alte Zeiten sein muss. Schön war, wie der BR-Chefredakteur Christian Nitsche, der neben Ursula Heller den „Fünfkampf“ moderierte, ganz besorgt nachfragte, was denn mit den Dealern passiere, wenn man, wie es die Linke fordert, Rauschgift, auch die Einfuhr und den Anbau, entkriminalisiere. Da sagte Gürpinar mit zwingender Logik: „Wenn du es legalisierst, sind es eben keine Dealer.“

          AfD ohne Spitzenkandidaten

          Natascha Kohnen merkte man an, dass sie in derlei Formaten inzwischen eine gewisse Routine hat, sie wirkte entspannt, vielleicht auch, weil sie zuletzt im Streit um die Zukunft des bisherigen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen einen Sieg davongetragen hatte, bei dem allerdings noch nicht ausgemacht ist, ob der nicht vielleicht die Vorsilbe „Pyrrhus“ trägt. Nur einmal ging sie wirklich in den Attacke-Modus über, um zu zeigen, dass sie „Haltung“ zeigt, und zwar gegenüber der AfD. Interessant war, dass Kohnen sich dabei fast wortgleich die Diktion des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zu eigen machte, indem sie sagte, die AfD habe „seit Chemnitz ihre Maske fallen lassen“. Deren Landesvorsitzender Sichert hatte zuvor über die Frage reflektiert, ob nun die AfD die „Strafe Gottes“ sei und war eher zu einem Ja als zu einem Nein gelangt.

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