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Führungsstreit in der Linkspartei : Gysi schlägt sich auf die Seite von Bartsch

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Dietmar Bartsch (ganz rechts) will gegen Lafontaine antreten; Gregor Gysi (Mitte) hat dafür Verständnis, und Sahra Wagenknecht will nicht gemeinsam mit Bartsch die Partei führen Bild: dpa

Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gysi hat die Kandidatur von Dietmar Bartsch um den Posten des Parteivorsitzenden verteidigt. Niemand könne sie ihm „verübeln“. Der Parteivorsitzende Ernst sprach derweil von „destruktiven Kräften“ in dem Streit um die Parteiführung.

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          Im Machtkampf zwischen Oskar Lafontaine und Dietmar Bartsch hat sich der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, am Montag auf die Seite von Bartsch geschlagen, nachdem ein Spitzengespräch am Sonntag ergebnislos blieb. Zunächst hatte Gysi die Konkurrenten um den Parteivorsitz aufgefordert, sich zu einigen: Lafontaine könne den Vorsitz, Bartsch das Amt des Geschäftsführers übernehmen.

          Doch am Montag stellte Gysi fest: „Niemand kann jetzt Dietmar Bartsch verübeln, seine Kandidatur aufrecht zu erhalten.“ Der Vorsitzende Klaus Ernst sagte, beim „angenehmen Gespräch“ am Sonntag zwischen Bartsch und Lafontaine sei der Geschäftsführerposten gar nicht zur Sprache gekommen, Gysis Erklärung sei ihm daher nicht nachvollziehbar. Bartsch, der Geschäftsführer der Partei war, trat 2010 nicht mehr an, nachdem er von Gysi der Illoyalität gegenüber Lafontaine bezichtigt worden war.

          Lafontaine stehe nur für den Vorsitz bereit, sagte Ernst, wenn er die breite Unterstützung der Partei - dokumentiert durch die Abwesenheit eines Gegenkandidaten - genieße. Wer gemeint habe, Bartsch könne Vorsitzender werden und Lafontaine Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013, liege falsch: Lafontaine werde nur Spitzenkandidat, wenn er ohne Gegenkandidat Parteivorsitzender werden könne. Am Sonntag hatte Lafontaine vor Anhängern seiner Gefährtin, der stellvertretenden Partei- und Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht, geäußert, „zehn bis 15“ Parteifreunde führten nur Personaldebatten. Ernst sprach von „destruktiven Kräften“, nannte jedoch keine Namen. Er ließ offen, ob er beim Parteitag in Göttingen als Vorsitzender kandidiere, falls Lafontaine nicht antrete.

          Den Vorschlag, sie und Bartsch sollten die Partei führen, den dieser für möglich erklärt hatte, kommentierte Frau Wagenknecht: „Ich bin immer beeindruckt über das Selbstbewusstsein von so manchem“. Von Lafontaine und Frau Wagenknecht enttäuscht äußerte sich der Fraktionsvorsitzende im Magdeburger Landtag, Wulf Gallert: Die innerparteilichen Gegner im Osten als Hauptproblem der Linkspartei anzusehen, sei „genau der Umgang mit der Partei, der uns in Göttingen und danach nicht weiterhilft“, sagte er im MDR.

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