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Führungsstreit abgewendet : Laschet soll NRW-CDU führen

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsträger: Laschet (links) und Laumann Bild: dpa

Parteivorsitz und Fraktionsführung sollen bei der CDU in Nordrhein-Westfalen nun doch personell getrennt werden. Die Basis habe nach der schweren Wahlniederlage weder auf Karl-Josef Laumann noch auf ihn selbst an der Parteispitze verzichten wollen, sagte Armin Laschet am Donnerstag.

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          Nach ihrem Debakel bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl bleibt der CDU ein Führungsstreit erspart. Am späten Donnerstagnachmittag schlugen der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Karl-Josef Laumann und sein Stellvertreter Armin Laschet dem Landesvorstand in Düsseldorf vor, Parteivorsitz und Fraktionsführung personell doch zu trennen. Demnach soll Laumann weiterhin die Fraktion führen, während Laschet den Parteivorsitz übernimmt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Wahl des neuen Vorsitzenden des größten CDU-Landesverbandes wird nach derzeitigen Planungen am 30. Juni auf einem Sonderparteitag stattfinden. Laschet sagte, nach dem Rücktritt Norbert Röttgens vom Parteivorsitz hätten er und Laumann zunächst das Gefühl gehabt, beide Ämter müssten in eine Hand. Doch sei in den Gliederungen der Partei der Wunsch groß, einen innerparteilichen Kampf unbedingt zu verhindern. Nach der schweren Wahlniederlage könne man auf keinen der beiden Führungsleute verzichten, heiße es an der Basis.

          „Großes Bedürfnis nach Aussprache“

          Laumann sagte, aus seiner Sicht solle Laschet auch das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden von Röttgen übernehmen. Laschet und Laumann äußerten die Einschätzung, wer bei der Landtagswahl 2017 als Spitzenkandidat für die CDU in Nordrhein-Westfalen antrete, müsse keinesfalls schon jetzt entschieden werden. Unterdessen forderten zehn CDU-Kreisverbände den Parteivorstand auf, vor dem Parteitag Regionalkonferenzen zu veranstalten. Nach dem Wahldebakel - die CDU hatte am 13. Mai nur noch 26,3 Prozent der Stimmen und damit so wenig wie noch nie in der Geschichte Nordrhein-Westfalens erlangt - gebe es „ein großes Bedürfnis nach Aussprache“, heißt es in dem Antrag.

          Laschet sagte, für die Doppelspitze spreche nicht nur, dass er und Laumann zwei unterschiedliche Persönlichkeiten aus den beiden großen Landesregionen Rheinland und Westfalen seien. Vielmehr sei die Aufgabe, die CDU wieder aufzurichten, zu groß für eine Person. Laumann fügte an, die Arbeit reiche „dicke für zwei und den dazugehörigen Mitarbeiterstab“. Die CDU sei schwer geschlagen. Die Doppelspitze sei ein „Angebot an die Partei und die Fraktion“, das für die gesamte Legislaturperiode gelte. Laumann, der auch Bundesvorsitzender der CDU-Sozialausschüsse ist, wandte sich damit gegen Überlegungen in der Partei, er könne nach der Bundestagswahl 2013 nach Berlin wechseln und Laschet dann den Fraktionsvorsitz überlassen.

          Gemeinsam gegen Röttgen

          Laschet und Laumann gehörten in den Jahren 2005 bis 2010 dem Kabinett von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers(CDU) an. Der aus Aachen stammende Laschet war Familien- und Integrationsminister und gilt als Exponent der Großstadt-CDU. Laumann, der aus Riesenbeck im Münsterland stammt, war Arbeitsminister und versteht sich auch als Fürsprecher des ländlichen Raums. Nach der Landtagswahl 2010 kam es zwischen den beiden zu einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz. Laumann konnte sich knapp gegen Laschet durchsetzen.

          Wenige Monate später unterstützte Laumann dann Laschet im Ringen um den Landesvorsitz gegen den damaligen Bundesumweltminister Röttgen. Gemeinsam erinnerten Laumann und Laschet damals daran, dass der größte Landesverband der CDU schon einmal keine guten Erfahrungen mit einem Bundespolitiker an ihrer Spitze gemacht habe. Doch ihr Hinweis auf die Ära Norbert Blüm verfing an der Basis nicht: Bei einer CDU-Mitgliederbefragung bekam Röttgen rund 55 Prozent der Stimmen.

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