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Führungsdebatte in der Linkspartei : Bartsch? Kennt hier keiner

Lafontaine und Bartsch während eines Treffens mit dem Bundesvorstand in Berlin Bild: dpa

Oskar oder Dietmar: Die Linkspartei streitet weiter über ihre neue Führung - nun auch auf Regionalkonferenzen. Die erste fand ausgerechnet in Saarbrücken statt, im Lafontaine-Land.

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          Brückentag bleibt Brückentag, auch wenn es in der Partei noch so sehr brodelt. Seit viele Tagen kennt die Linkspartei kein anderes Thema als die mögliche Rückkehr Oskar Lafontaines an die Spitze - und die drohende Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch. Es wird spekuliert, beleidigt und verhandelt. Die Spitzengremien trafen sich in Berlin und konnten keine Entscheidung treffen. Wohl mehr aus Hilflosigkeit denn aus Überzeugung wurde beschlossen, die Parteimitglieder mögen auf Regionalkonferenzen weiter über die Führungsfrage diskutieren.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die erste Konferenz fand am Freitagabend statt, ausgerechnet in Saarbrücken. Lafontaine-Land. Doch die Reihen blieben trotzdem spärlich besetzt. Brückentage seien eben kein idealer Termin, sagte Rolf Linsler, der saarländische Landesvorsitzende, bei seiner Begrüßung gleich entschuldigend. Außerdem fehlte der Hoffnungsträger. Oskar Lafontaine sei „terminlich gebunden“, hieß es. Um die Konferenz dennoch zu dominieren, bedurfte es seiner Anwesenheit ohnehin nicht.

          Klare rote Kanten

          Die Landesverbände Saarland und Rheinland-Pfalz hatten ihre Mitglieder in einen holzgetäfelten Saal der Volkshochschule in Saarbrücken geladen, eingerahmt von gleich zwei Lafontaineschen Wirkungsstätten - eine aus der Vergangenheit und eine aus der Gegenwart: zur einen Seite das Rathaus, in dem er einst regierte, zur anderen der Landtag, in dem er heute der Fraktion vorsitzt. Eigentlich soll es bei den Regionalkonferenzen der Linkspartei um die inhaltliche Vorbereitung des Parteitags in Göttingen gehen, um zu überarbeitende oder zu ersetzende Absätze und Abschnitte im Leitantrag des Bundesvorstands also.

          Dessen Kernaussagen trug der stellvertretende Parteivorsitzende Heinz Bierbaum im Saal so energisch vor, dass es in den Ohren schmerzte: Europäische Krise, Erneuerung der Demokratie, bessere Lebensbedingungen, Frieden und Abrüstung waren die Stichworte. Doch schon die ersten Wortmeldungen aus dem Publikum machten klar, dass dies nicht die Themen des Abends sein würden. Wortmeldung eins: Die Partei sei in einer Krise, manche sagten, es ginge um ihre Existenz. Was könne man tun? Wortmeldung zwei: Wie könne man eine Spaltung zwischen Ost und West überwinden? Wortmeldung fünf: Die Partei brauche „klare rote Kanten“. Und daher gerade nicht Dietmar Bartsch. „Ich bin für Oskar.“ Da fiel es auch im Verlauf des Abends nicht mehr weiter ins Gewicht, dass der zu diskutierende Leitantrag noch nicht einmal im Saal auslag.

          Die Partei nicht denen überlassen, die aus ihr eine „Light-Version machen wollen“: Sahra Wagenknecht Bilderstrecke

          Auch in der Bundespartei wurde über das lange Wochenende hinweg Klartext geredet. Steffen Bockhahn, der Bundestagsabgeordnete und Linke-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, nannte die Darstellung des Parteivorsitzenden Klaus Ernst rundheraus „gelogen“, die Mehrheit der Landesvorsitzenden und des Parteivorstands habe sich bei der Sitzung am vergangenen Dienstag für Lafontaine als Vorsitzenden ausgesprochen. Lafontaine und Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende und neue Gefährtin Lafontaines, traten in Berlin vor einem Verein „Freiheit durch Sozialismus“ auf, einem Forum der Linksradikalen in der Linkspartei.

          Frau Wagenknecht warnte dabei abermals, die Partei nicht denen zu überlassen, die aus ihr eine „Light-Version machen wollen“; gemeint sind Bartsch und seine Unterstützer. Bartsch, der anders als Lafontaine Regionalkonferenzen besucht, ist bereit, zusammen mit Frau Wagenknecht die Linkspartei zu führen. Sie ist ihrerseits nicht bereit, mit ihm anzutreten. Er schätze ihre Fähigkeit, „Kritik an anderen direkt zu äußern und nicht hinter deren Rücken“, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Am Sonntag wollten Lafontaine, Bartsch und Ernst zusammenkommen.

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