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Führungsdebatte in der Linkspartei : Bartsch? Kennt hier keiner

„Wir haben Demokratie gewollt“

Ausdrücklich als Bartsch-Unterstützer zu erkennen gab sich Lothar Bisky, der mit Lafontaine der erste Vorsitzende der 2007 gegründeten Linkspartei war. „Wir haben Demokratie gewollt“, sagte er der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“, zwei Kandidaten für ein Amt seien „eine Bereicherung“. Eine Frau - die Vorsitzende der Linke-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, Dora Heyenn - schlug vor, zwei Männern die Führung der Partei zu übertragen und dafür die eigens geänderte Satzung außer Kraft zu setzen: Lafontaine und Bartsch könnten eine Doppelspitze bilden. In der Berliner „Tageszeitung“ (Taz) mahnte dagegen die nordrhein-westfälische Vorsitzende Katharina Schwabedissen, den Vorschlag nicht als Gag abzutun, zwei jüngere Frauen sollten den Vorsitz übernehmen. Lafontaine könne der Partei als Berater zur Seite stehen. Ihr Landesvorstand aber sprach sich am Sonntag für Lafontaine als Parteivorsitzenden aus.

In Saarbrücken verlief die Diskussion deutlich einheitlicher. Es wurde nicht gezweifelt und gezögert. Andere Optionen wurden nicht besprochen. Es gab hier nur einen neuen Vorsitzenden. Über viele Monate hinweg hatte man schließlich Lafontaine „bekniet“, noch einmal anzutreten, heißt es. Die Situation der Partei wurde dann sogar immer dramatischer. Zwei Landtage musste sie im Mai wieder verlassen, der Aufstieg der Piratenpartei hielt an. Im Umfragen sinkt die Linkspartei im Bund der Fünfprozentmarke entgegen. Und so musste Lafontaine am Freitagabend auch gar nicht anwesend sein, um für sich und seinen Kurs zu werben - bereitwillig taten es andere.

Gewicht, Motivation, Präsenz

Meist verfolgten die Redner dabei eine simple Argumentationskette: Die Lage der Partei sei ernst, die Zeit bis zur Bundestagswahl knapp, die Partei brauche einen starken Westen, nur Lafontaine könne es also richten. Es ging um politisches Gewicht (Das Schwergewicht Lafontaine „reicht uns die Hand“), um Mitgliedermotivation im Westen („Das kann allein Oskar Lafontaine“) und um die Präsenz in Talkshows (rhetorische Frage: Wer sei einem Millionenpublikum bekannt und wer müsse erst vorgestellt werden?).

Als letzter Redner auf der Liste trat der Landesvorsitzende aus Rheinland-Pfalz ans Pult. Die Stunden zuvor hatte Wolfgang Ferner auf dem Podium geschwiegen. Als Gast in Saarbrücken hatte er vor allem eins zu sagen: „Ich stehe hinter Oskar Lafontaine.“ Bartsch habe im Westen keine Wirkung, schob er nach. Dafür erhielt Ferner von den Saarländern kräftigen Applaus.

Bei den nächsten Regionalkonferenzen in den kommenden Tagen könnte das schon ganz anders aussehen. Es geht unter anderem nach Erfurt und Berlin. Dort hat Bartsch durchaus Wirkung. Dort muss er auch nicht vorgestellt werden. In Saarbrücken aber endete der Abend, wie es zu erwarten gewesen war und wie es sich Heinz Bierbaum wohl gewünscht haben mag („Oskar wird die Aufgabe nur übernehmen, wenn ein entsprechend starker Ruf aus der Partei kommt“, hatte er den anwesenden Mitgliedern schon „ganz klar“ gesagt). Rolf Linsler fragte also am Ende des Abends, ob die Konferenz Oskar Lafontaine unterstütze. Kräftiger Applaus, lang anhaltend. Er machte auch die Gegenprobe: Ob denn jemand anderer Auffassung sei? Erst Schweigen, dann Gemurmel.

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