https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fu-berlin-kanzlerin-boer-wird-untreue-vorgeworfen-17669830.html

FU Berlin : Heftige Vorwürfe gegen Uni-Kanzlerin Bör

Die Freie Universität Berlin Bild: dpa

Die FU-Kanzlerin hat eine Personalagentur beauftragt, einen Bewerber für das Amt des Uni-Präsidenten zu finden. Weil der derzeitige Präsident im Amt bleiben will, zog sich die Agentur zurück. Bezahlt wurde trotzdem.

          2 Min.

          Schon im September hat die Kanzlerin der Freien Universität Berlin Andrea Bör eine Personalagentur damit beauftragt, Bewerber für das Amt des im kommenden Jahr neu zu wählenden Präsidenten zu finden. Eine Personalagentur zu beauftragen, um Leitungspersonal für Universitäten zu finden, ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Allerdings hat Bör den Auftrag im Alleingang erteilt und die zuständigen universitären Gremien umgangen. Daraufhin erhob das Präsidium der FU Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Kanzlerin, wie die Senatskanzlei im Oktober bestätigte. Sie werde geprüft, hieß es damals.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Bör gilt als Gegenspielerin des amtierenden Präsidenten Günter M. Ziegler, der abermals für das Präsidentenamt kandidieren will. Mit der Personalagentur wurde ein fünfstelliges Honorar verabredet, von dem ein großer Anteil bezahlt wurde, obwohl der Auftrag von der Personalagentur selbst zurückgezogen wurde, nachdem diese von den Unstimmigkeiten an der FU erfahren hatte.

          Am Mittwoch tagt der Akademische Senat (AS) der Freien Universität Berlin (FU) und wird sich im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung mit der „Auftragsvergabe an einen externen Personaldienstleister im vorbereitenden Verfahren zur Wahl des Präsidenten/der Präsidentin der Freien Universität“ befassen.

          Akteneinsicht beantragt

          Zu der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Kanzlerin hat der forschungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Adrian Grasse schriftliche Anfragen an den geschäftsführenden Wissenschaftssenator gestellt, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), die nur teilweise beantwortet wurden. Er hat daraufhin Einsicht in die Akten an der FU beantragt. Den Termin zur Akteneinsichtnahme konnte er in der vergangenen Woche wahrnehmen.

          Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin, möchte im Amt bleiben.
          Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin, möchte im Amt bleiben. : Bild: dpa

          Grasse stört sich daran, dass überhaupt ein Honorar gezahlt wurde, obwohl der Dienstleister selbst die Auflösung des Vertrags erbeten hatte. Es sei zu prüfen, ob der Alleingang der Kanzlerin nicht den Tatbestand der Untreue erfüllt, sagt Grasse. Denn mit der Beauftragung der Personalberatung ohne Einbindung und Beschluss der entsprechenden Gremien – Präsidium oder Akademischer Senat – habe die Kanzlerin ihre Kompetenzen überschritten.

          Der Eindruck, dass die Kanzlerin den amtierenden Präsidenten für ungeeignet hält, sein Amt weiterhin auszuführen und sie eine weitere Amtszeit – offenbar um jeden Preis – verhindern wollte, habe sich durch seine Akteneinsichtnahme bestätigt, so Grasse. Dass persönliche Antipathie ein derartiges Vorgehen nicht rechtfertige, verstehe sich von selbst. „Ich erwarte daher vom Senat, dass er als Rechtsaufsicht endlich tätig wird und den Sachverhalt umgehend prüft“, forderte der CDU-Abgeordnete.

          Wie aus der FU zu hören ist, soll der Kanzlerin für ihr Vorgehen eine Rüge erteilt werden. Mit der Rüge hatte die FU im Plagiatsfall der künftigen Regierenden Bürgermeisterin Berlins Franziska Giffey schon ihre Erfahrungen gemacht.

          Weitere Themen

          Erdoğan warnt Russland

          Ukraine-Krise : Erdoğan warnt Russland

          Die Türkei fürchtet, dass das Schwarze Meer ein „russisches Meer“ werden könnte und unterstützt daher die Ukraine. Dennoch bietet Erdoğan an, zu vermitteln.

          Moskau unzufrieden mit US-NATO-Brief Video-Seite öffnen

          Ukraine-Krise : Moskau unzufrieden mit US-NATO-Brief

          In der Ukraine-Krise hat Moskau auf das Schreiben aus Washington mit Enttäuschung reagiert: Russland begrüßt die Gesprächsvorschläge, kritisiert aber, dass der Brief „keine positive Antwort auf die Hauptfrage“ enthalte - nämlich die gewünschte „Unzulässigkeit einer weiteren NATO-Osterweiterung“.

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

          Ukraine-Krise : Erdoğan warnt Russland

          Die Türkei fürchtet, dass das Schwarze Meer ein „russisches Meer“ werden könnte und unterstützt daher die Ukraine. Dennoch bietet Erdoğan an, zu vermitteln.