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Frühere RAF-Terroristin : Köhler lehnt Begnadigung Hogefelds ab

  • Aktualisiert am

Birgit Hogefeld bleibt zunächst in Haft Bild: dpa

Schon vor drei Jahren hatte Bundespräsident Köhler ein Gnadengesuch der zu lebenslanger Haft verurteilten Birgit Hogefeld abgelehnt. Die heute 53 Jahre alte frühere RAF-Terroristin wurde vor 17 Jahren in Bad Kleinen gefasst, nun bleibt sie bis Juni 2011 im offenen Vollzug.

          Bundespräsident Horst Köhler hat auch das zweite Gnadengesuch der zu lebenslanger Haft verurteilten ehemaligen RAF-Terroristin Birgit Hogefeld abgelehnt.

          Köhler habe dies auf der Grundlage der eingeholten Stellungnahmen und eines persönlichen Gesprächs mit ihr nach Abwägung aller Gesichtspunkte entschieden, teilte das Bundespräsidialamt am Montag in Berlin mit.

          Köhler hatte schon 2007 ein Gnadengesuch Hogefelds abgelehnt. Sie war von 1984 bis 1993 eine Führungsfigur der Roten Armee Fraktion. Sie wurde wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Hogefeld ist seit 27. Juni 1993 in Haft. Im Juni 2008 setzte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main die Mindesthaftdauer auf insgesamt 18 Jahre fest. Hogefeld, die sich zurzeit im offenen Vollzug befindet, wird danach voraussichtlich im Juni 2011 aus der Haft entlassen.

          De Fall Birgit Hogefeld: Eine Chronologie

          1984: Hogefeld geht in den Untergrund und wird Mitglied der RAF.

          1985: Bei einem Bombenanschlag der RAF auf den amerikanischen Militärflughafen in Frankfurt kommen am 8. August zwei Menschen ums Leben, 16 weitere werden verletzt. Hogefeld soll den amerikanischen Soldaten Edward Pimental mit dem „Versprechen eines Liebesabenteuers“ in einen Wald bei Wiesbaden gelockt haben. Der Soldat wird erschossen. Das RAF-Kommando sich mit seinem Dienstausweis Zugang zur amerikanischen Airbase verschaffen.

          1988: Hogefeld wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Am 20. September verübt die RAF einen Mordanschlag auf den damaligen Finanzstaatssekretär und späteren Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer und dessen Fahrer. Die beiden bleiben unverletzt. Hogefeld soll für den Anschlag ein Auto besorgt haben.

          1993: Die RAF verübt am 27. März einen Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt im hessischen Weiterstadt. Am 27. Juni wird Hogefeld auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen festgenommen. Ihr Komplize und Lebensgefährte Wolfgang Grams erschießt dabei den Polizisten Michael Newrzella und nimmt sich nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft anschließend das Leben. Hartnäckig hält sich die Darstellung, Grams sei von der Polizei erschossen worden.

          1996: Hogefeld wird am 5. November vom Oberlandesgericht Frankfurt wegen der Ermordung des amerikanischen Soldaten und des Anschlags auf den Militärflughafen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt, damit ist eine Entlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Auch eine Beteiligung am versuchten Tietmeyer-Mord sowie am Weiterstadt-Anschlag wird ihr zur Last gelegt. Den letzten Anklagepunkt hebt der BGH im März 1998 wegen einer fehlerhaften Beweiswürdigung auf.

          1998: Die RAF löst sich auf. Das OLG Frankfurt bestätigt am 29. Juni die lebenslange Haftstrafe sowie die besondere Schwere der Schuld Hogefelds bei den Anschlägen der RAF von 1985 und 1987 mit drei Todesopfern und vier lebensgefährlich Verletzten.

          1999: Das Urteil gegen Hogefeld wird am 19. Januar rechtskräftig. Eine Revision wird vom Bundesgerichtshof verworfen.

          2001: Hogefeld kommt erneut in die Schlagzeilen. Mitte Mai präsentiert das BKA eine neue Spur zum Mord an Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder am 1. April 1991. Ein Haar vom Tatort wurde mit einer DNA-Analyse Wolfgang Grams zugeordnet. Hogefeld gerät ebenfalls ins Visier der Ermittler.

          2007: Bundespräsident Horst Köhler weist ein Gnadengesuch Hogefelds am 7. Mai ab.

          2008: Das OLG Frankfurt lehnt am 29. Juli einen Antrag ab, die Strafe vorzeitig auszusetzen. Hogefeld schreibt im Gefängnis an ihrer Dissertation.

          2009: Am 12. August wird Hogefeld in den offenen Vollzug in Frankfurt verlegt, am 1. Oktober der Freigang erlaubt. Tagsüber arbeitet sie und kehrt nachts zurück. Nach der Freilassung von Christian Klar 2008 verbüßt Hogefeld als einzige Ex-Terroristin der RAF eine lebenslange Haftstrafe.

          2010: Bundespräsident Köhler lehnt am 17. Mai auch das zweite Gnadengesuch Hogefelds ab. Sie kann jetzt voraussichtlich im Juni 2011 mit der Entlassung aus der Strafhaft rechnen.

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