https://www.faz.net/-gpf-s1c7

Früher länger arbeiten : Rente ab 67 - Augen zu und durch

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

So schnell war eine Rentendebatte noch nie vorbei. Die Anhebung des Rentenalters war der unangenehmste Auftrag, den der Koalitionsvertrag für Sozialminister Müntefering enthält. Er hat ihn sofort erledigt. FAZ.NET-Spezial.

          1 Min.

          So schnell war eine Rentendebatte noch nie vorbei. Eigentlich hatte sie noch gar nicht angefangen, als das Bundeskabinett am Mittwoch beschloß, den von Sozialminister Müntefering gewiesenen Weg eines beschleunigten Anstiegs des Renteneintrittsalters mitzugehen.

          Dabei hatte man sich gerade noch gefragt, was Müntefering eigentlich damit bezweckte, als er - ohne ersichtlichen Anlaß und offenbar auch für Parteifreunde überraschend - auf die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu sprechen kam. Darum vor allem drehte sich das „Stimmengewirr“, das der SPD-Vorsitzende Platzeck nachträglich nur bei der CDU vernommen haben will. Das der wahlkämpfenden Sozialdemokraten muß er überhört haben.

          Vielleicht noch nicht das letzte Wort

          Ein unmittelbarer Nutzen dieses Vorstoßes ist in der Tat schwer zu erkennen. Es ist schon ungewöhnlich genug, daß sich die Politik überhaupt einmal mit einer Frage beschäftigt, die so weit in die Zukunft hineinreicht - bis 2029, wobei auch dieses Datum möglicherweise noch nicht das letzte Wort ist.

          Selbst wenn die jetzt vorgestellten Eckdaten noch in diesem Jahr Gesetzeskraft erlangen sollten - für die laufende Legislaturperiode kann sich der Finanzminister davon keine Entlastung versprechen. Und dem sozialpolitischen Profil der SPD, das in der familienpolitischen Debatte der vergangenen Wochen kaum noch von dem der CDU zu unterscheiden war, ist Münteferings Rentenplan gleichfalls nicht zuträglich. Hatte er sich nicht im Bundestagswahlkampf noch vehement von entsprechenden Vorstellungen der Union distanziert?

          Unangenehmster Auftrag

          Da aber war Müntefering noch der Fraktions- und Parteivorsitzende. Jetzt ist er Arbeits- und Sozialminister. Als solcher wird er sich nicht nachsagen lassen wollen, daß er seine Aufgaben liegenlasse. Unangenehmes sollte ohnehin immer zuerst erledigt werden. Und der unangenehmste Auftrag, den der Koalitionsvertrag für ihn enthält, ist die Anhebung des Rentenalters.

          An der Notwendigkeit dieser Maßnahme kann angesichts der demographischen Fakten kein Zweifel mehr bestehen. Dieselben Daten lassen aber auch hoffen, daß ältere Arbeitnehmer schon lange vor dem Jahr 2029 wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden. Doch erst wenn sich diese Prognosen bewahrheiten, wird die Rentendebatte wirklich vorbei sein.

          Weitere Themen

          Die Sehnsüchte sind vom Tisch Video-Seite öffnen

          „Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

          Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.

          Topmeldungen

          Stuttgarter Neuzugang: Silas Wamangituka kam von Paris FC in die zweite Bundesliga

          VfB-Profi Silas Wamangituka : Ein zweiter „Fall Jatta“?

          Einem Medienbericht zufolge soll der Stuttgarter Königstransfer Silas Wamangituka unter falschem Namen spielen und auch bei seinem Alter falsche Angaben gemacht haben. Gegenüber der F.A.Z. hat der VfB Stuttgart nun Stellung bezogen.

          Neue Häuser : Holz trifft Beton

          Der Baustoff aus dem Wald ist flexibel und ökologisch. Doch manchmal braucht er eine harte Gründung, wie dieser Bau in Brandenburg zeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.