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Frisierte Lebensläufe : Mehr Schein als Sein

  • -Aktualisiert am

Abgang: Die bisherige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verlässt am 20. Mai nach der Übergabe der Entlassungsurkunde den Saal im Schloss Bellevue. Bild: dpa

Ob Franziska Giffey, Annalena Baerbock oder Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Karriere dienen frisierte Lebensläufe und unredlich erworbene akademische Titel nicht. Personaler erkennen sie leicht. Und die Öffentlichkeit nimmt ein solches Gebaren zurecht übel.

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          Das Zeitalter der bescheidenen Zurückhaltung ist ganz offensichtlich vorbei. Stattdessen scheint ein Wettbewerb der aufgehübschten Lebensläufe und biographischen Aufschneidereien ausgebrochen zu sein. Das gilt für verschiedene gesellschaftliche Bereiche, sowohl für die Wissenschaft als auch für die Politik. Spätestens seit der Exzellenzinitiative und deren Antragsanforderungen ist das Prahlen ausgerechnet in einem System salonfähig geworden, in dem Selbstzweifel und Selbstkritik zum Erkenntnisprinzip gehören.

          Für Politiker sind die akademischen Statussymbole wie ein Doktorgrad auch dann attraktiv, wenn sie sonst bestrebt sind, die eigene Volksnähe zu beweisen. Das gilt etwa für die zurückgetretene Familienministerin Franziska Giffey. Der Doktorgrad verhalf ihr in einer frühen Lebensphase dazu, den Fachhochschulabschluss zu vergolden und ein soziales Distinktionsmerkmal zu schaffen. Im Amt der Familienministerin meinte sie auf derlei akademischen Tand nicht mehr angewiesen zu sein und hielt es für angemessen, ihn im Laufe der Plagiatsaffäre einfach wegzuwerfen. Und ausgerechnet diejenigen, die früher mit spitzen Fingern auf die Autoren vermurkster Dissertationen mit „summa“ oder „magna cum laude“ gezeigt hatten, bescheinigten Giffey für ihr wahltaktisches Manöver besondere Glaubwürdigkeit.

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