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Söders Mimikry : Merz verdirbt dem Merz-Ersatz die Show

Der Ersatz-Merz: Allein das Wort „Establishment“ verkniff sich Markus Söder. Bild: Reuters

Im Kampf um die Kanzlerkandidatur gibt Markus Söder den Kämpfer wider das CDU-Establishment. Doch der, den der CSU-Chef imitiert, spielt nicht mit.

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          Wer sind die größten Fans Markus Söders in der CDU? Nicht selten jene, die lieber Friedrich Merz als Armin Laschet auf den Schild des Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten gehoben hätten. Man kann es geradezu spüren, dass Söder für sie der Ersatz-Merz ist.

          Der CSU-Chef tat entsprechend sein Möglichstes, diesen Phantomschmerz zu lindern und Merz zu imitieren – bis hin zu der Behauptung, die Basis der Schwesterpartei wolle einen anderen Kandidaten als die „zehn, zwanzig, dreißig Leute“ in einem „kleinen Hinterzimmer“. Allein das Wort „Establishment“ verkniff Söder sich bei diesem Akt politischer Mimikry.

          Ein CDU-Mitglied aber verdarb Söder die Show: Merz höchstpersönlich. Der sprach sich, vom Saulus zum Paulus geworden, nicht nur für Laschet aus. Merz wies auch Söders Versuch zurück, die höchsten, frischgewählten Führungsgremien der CDU als von der eigenen Partei entfremdet hinzustellen.

          Söders Affront wird lange nicht vergessen werden

          Söders Weigerung, das eindeutige Votum der mehr als fünfzig Spitzenleute der CDU als ausreichende Willensbekundung anzuerkennen, ist ein Affront, den mancher dem CSU-Vorsitzenden lange nicht vergessen wird. Aber auch kurzfristig verschafft ihm die ostentative Geringschätzung der CDU-Führung keine Vorteile. Sollte Söder ernsthaft glauben, Politiker wie Bouffier oder Schäuble würden Laschet nun zum Rückzug drängen, weil der CSU-Chef die CDU doch besser kenne und repräsentiere als sie selbst?

          Berthold Kohler
          (bko.), Herausgeber

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