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Merz gegen Sensburg : Feldschlacht im Hochsauerland

„Offene Feldschlacht“: Landschaft zwischen Siedlinghausen und Silbach im Sauerland Bild: ddp

Friedrich Merz steht wieder vor einem politischen Duell. Diesmal heißt sein Gegner Patrick Sensburg. Erobert werden soll sein alter Bundestagswahlkreis.

          6 Min.

          Seit Jahren ist Friedrich Merz eine Projektionsfläche für Anhänger in ganz Deutschland. Er soll ihren Wunsch nach einem konservativeren Profil der CDU erfüllen, nach einem wirtschaftsliberalen Bekenntnis, nach klarer Kante, nach Recht und Ordnung. Merz ist jederzeit in der Lage, messerscharf zu beschreiben, was andere gerade grottenschlecht machen. Vor der Pandemie bestand sein Erfolgsgeheimnis in einer Mischung aus schmissiger Rede und schneller Reisefähigkeit. Auf dem Flugplatz eines befreundeten Unternehmers steht im Sauerland sein Privatflieger. Von dort kann er jede noch so entlegene Ecke Deutschlands erreichen. Egal, wo er vor der Pandemie landete, seine Anhänger umschwärmten ihren Kanzler der Herzen. Merz füllte mühelos Stadthallen. Das Kanzleramt schien nur einen Kurzstreckenflug entfernt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Vor wenigen Tagen wählte er sich mit seinem Computer in eine Diskussionsrunde des CDU-Stadtverbands Olsberg ein. An der Videokonferenz nahmen nur dreißig, vielleicht vierzig Leute teil. Friedrich Merz war auch nicht der Starredner. Im Wechsel mit Patrick Sensburg stellte er sich den Fragen der Parteifreunde vom Stadtverband. Sensburg hatte den Wahlkreis 2009 von Merz übernommen. Davor hatte Merz seit 1994 stets rauschende Mehrheiten geholt, bis er sich mehr auf lukrative Tätigkeiten in der Wirtschaft konzen­trieren wollte und das Abgeordnetenmandat aufgab. Zwölf Jahre später fordert Merz nun das Direktmandat zurück. Der 49 Jahre alte Nachfolger soll für den 65 Jahre alten Vorgänger weichen. Aber Sensburg denkt nicht daran, beim umgekehrten Generationswechsel mitzumachen. Er will kämpfen.

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