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Friedrich Merz bei der JU : Mehr Sauerland wagen

Umjubelter Gast aus dem Sauerland: Der frühere Unions-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz neben JU-Chef Tilman Kuban (rechts) am Freitag Bild: dpa

Und bitte weniger Saarland. Warum die Junge Union die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer herausfordert und Friedrich Merz wie einen Popstar feiert.

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          Der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, hatte einen frommen Wunsch: „dass wir nicht nur auf die Frage von Personaldebatten reduziert werden“. Der ging nicht in Erfüllung. 60 Prozent der Delegierten stimmten am Freitagabend beim Deutschlandtag für eine Urwahl zum Kanzlerkandidaten. Auf dem CDU-Bundesparteitag im November will die Nachwuchsorganisation den Antrag nun einbringen. Ausgerechnet im Saarland fasste sie damit einen Beschluss, der die Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer in die Bredouille bringt. Eine Abstimmung der Parteimitglieder würde ihren Führungsanspruch in Frage stellen.

          Als die Saarländerin im Dezember 2018 in Hamburg zur Bundesvorsitzenden gewählt wurde, verdankte sie das wesentlich der Jungen Union. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, in der JU bestens vernetzt, schied im ersten Wahlgang aus. Die Hälfte seiner Wähler unterstützte Kramp-Karrenbauer in der Stichwahl, besonders junge Frauen. Warum nicht Merz, der Spahn inhaltlich näher steht?

          Es ging das Gerücht um, einige seien per SMS vom damaligen JU-Vorsitzenden Paul Ziemiak zur Wahl Kramp-Karrenbauers aufgerufen worden. Die hatte Ziemiak, der für die JU keine Wahlempfehlung ausgegeben hatte, früh den Posten des Generalsekretärs angeboten. Ziemiak soll zunächst abgelehnt und nach der Wahl zugestimmt haben. Im Merz-Lager wurde behauptet: Ziemiak hat sich kaufen lassen.

          Alles erlogen, sagen führende Köpfe der JU, die Ziemiak nahe stehen. Einer, der Merz unterstützt, sagt, es sei bequem, den Misserfolg von Merz auf eine Verschwörungstheorie zu schieben. Zur Wahrheit gehöre, dass der in Hamburg eine schlechte Rede gehalten habe. Wie auch immer es war, das Gerücht entfaltete seine Wirkung. In Hamburg wurde Ziemiak von bloß 63 Prozent der Delegierten zum Generalsekretär gewählt, ein historisch schlechtes Ergebnis. „Das Gefühl, Paul habe sich kaufen lassen, schwingt unterschwellig mit“, sagt ein JU-Mitglied heute, zehn Monate später.

          In Saarbrücken wettert eine junge Frau bei der Antragsberatung gegen „Kartelle von Parteifunktionären“. Auch ein Delegierter aus Bayern befürwortet die Urwahl. Der Nachwuchs der CSU soll den Vorschlag mit großer Mehrheit unterstützt haben. Aus basisdemokratischer Überzeugung, sagt ein Delegierter. Man sei nicht gegen AKK, sondern zufrieden mit der Zusammenarbeit von CDU und CSU unter der jetzigen Vorsitzenden. Gegenredner warnen davor, in einem „Zerfallszirkus“ zu enden wie die SPD. Andere wollen ein klares Zeichen gegen die CDU-Chefin setzen. Sie hat sich – das sagen auch Gegner des Antrags – in den vergangenen Monaten nicht sonderlich beliebt gemacht beim CDU-Parteinachwuchs. „Was will man von einer Landrätin aus dem Saarland schon erwarten?“, lästert ein Delegierter. Größer als ein Landkreis sei das Bundesland ja nicht.

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