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Friedenstreffen : Die bessere Variante des Religiösen

Veranstaltung des Friedenstreffens in der KZ-Gedenkstätte Dachau Bild: dpa

Der Geist von Assisi, den die Gemeinschaft Sant' Egidio zum Friedenstreffen nach München getragen hat, soll nicht die Differenzen aufheben, sondern eine „Einheit in der Verschiedenheit“ ermöglichen.

          5 Min.

          Die hellen Fassaden rund um den Odeonsplatz strahlen golden. Noch einmal hat sich der Sommer aufgerafft, um die Innenstadt der bayrischen Landeshauptstadt in südliches Licht zu tauchen. Auf den Freisitzen des „Tambosi“, von denen aus einst Monaco Franze die Beine der Münchner Damenwelt begutachtete, sitzen nun zwei Priester aus Italien und trinken Cappuccino, ohne dem Treiben auf dem Platz größere Beachtung zu schenken.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Der ein oder andere Münchner wird sich die Frage stellen, was die vielen extravagant gekleideten Herren in die Stadt führt – etwa den hinduistischen Mönch in seinem safrangelben Gewand, der gerade in der „Pfälzer Weinstube“ im Innenhof der Residenz tafelt, oder jenen Geistlichen, der mit einer Tüte von „Manufactum“ einen der letzten Plätze in einer Veranstaltung über den Wandel in Afrika ergattert.

          Vielleicht würden die Organisatoren von der Gemeinschaft Sant’ Egidio auch solche Begleitumstände auf den „Geist von Assisi“ zurückführen, jenes Treffen im Jahr 1986, an dem Vertreter aller Weltreligionen auf Einladung von Papst Johannes Paul II. gleichzeitig in der Grabeskirche des heiligen Franziskus beteten.

          Verhärtung der Unterschiede

          Ein anderer Begleitumstand des diesjährigen Friedenstreffens, das in dem Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx einen imposanten Gastgeber gefunden hat, dürfte hingegen eher mit einem Gegenbild des Friedens unter den Religionen zu tun haben: dem 11. September 2001. Vor dem Hotel „Bayrischer Hof“ steht eine edle Auswahl aus den Fuhrparks des Freistaats, um Geistliche und Politiker sicher in die Residenz zu bringen. In langer Reihe stehen die Limousinen mit den dick gepanzerten Scheiben, darüber wacht am stahlblauen Himmel ein Polizeihelikopter.

          Den Bogen zwischen dem Gebet von Assisi vor 25 und den Anschlägen vor zehn Jahren schlägt auch Andrea Riccardi, der charismatische Gründer von Sant’ Egidio. Im Herkulessaal der Residenz spricht Riccardi zu den Religionsführern, unter denen die Juden und Muslime so zahlreich sind wie nie zuvor. Die Ereignisse von 1986 und 2001 symbolisieren für Riccardi die beiden möglichen Varianten des Religiösen in einer globalisierten Welt: Die Religion führt entweder zu Friedfertigkeit und Dialog oder zur weiteren Verhärtung der Unterschiede.

          Das vergangene Jahrzehnt habe eher die Theorie vom Kampf der Kulturen und der Religionen bestätigt, so Riccardi. Dieser Theorie des Konflikts hätten nicht wenige zugejubelt und die Bemühungen um Dialog als geistigen Luxus von Naivlingen hingestellt. Doch das sei ein Irrtum gewesen, dem nun eine Rückbesinnung auf den „Geist von Assisi“ folgen müsse, sagt Riccardi und warnt vor einer „vulgären Globalisierung“, in der sich das Zusammenleben auf den Austausch von Gütern beschränkt.

          Riccardi ist ein glänzender Redner. Seine rhetorische Kunstfertigkeit überragt am Sonntag die von Bundespräsident Wulff und am Montag die von Kanzlerin Merkel. Aus den großen Zusammenhängen der Geschichte präpariert der Historiker markant die Gegensätze heraus: Der kleingeistigen Angst vor kultureller Unübersichtlichkeit wie den Bestrebungen, die Unterschiede der Zivilisationen einzuebnen, stellt Riccardi den „Geist von Assisi“ entgegen, der die Differenzen nicht aufheben wolle, sondern eine „Einheit in der Verschiedenheit“ ermöglicht.

          Die im Herkulessaal versammelte Zuhörerschaft ist selbst das sichtbare Symbol einer solchen Einheit in Verschiedenheit. Die beiden Priester aus dem Straßencafé sitzen dort nebst etlichen Bischöfen und einigen in Purpur gewandeten Kardinälen zwischen dem Buddhisten aus der Weinstube, bärtigen Orthodoxen, nüchtern-schmucklosen Protestanten, schwarz gekleideten Tendai-Buddhisten, Rabbinern mit Kippa und jenem Islamgelehrten aus Rabat, der gerade noch mit Lederschlappen durch die Fußgängerzone gelaufen ist.

          Religionsvertreter aus aller Welt

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