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Gründungsmitglied Jakob Blasel : Fridays for Future verliert Aktivisten an die Politik

Getrennte Wege: Luisa Neubauer und Jakob Blasel, Vertreter von Fridays for Future, im März 2019 in der Bundespressekonferenz in Berlin. Bild: dpa

Mehrere Mitglieder von Fridays for Future verhandeln offenbar mit Parteien über eine Kandidatur für den nächsten Bundestag. Das findet in der Bewegung nicht jeder gut. Ein Gründungsmitglied erklärt sich.

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          Bewegungen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Manche lösen sich auf, wenn sie nicht mehr gehört werden. Andere verlieren an Schlagkraft, weil ihre Galionsfiguren andere Pfade einschlagen. Sei es, weil sie ihrer Ziele überdrüssig werden. Oder weil sie glauben, diese nur durchsetzen zu können, wenn sie Kompromisse eingehen.

          Bei der Klimaschutzbewegung Fridays for Future gab es bislang wenig Anzeichen dafür, dass sie ihren Zenit schon überschritten haben könnte. Trotz Corona-Pandemie und ausbleibenden Protesten war der harte Kern der deutschen Sektion in den vergangenen Monaten weiter aktiv. Ihre aktivsten Köpfe sprachen in Podcasts und Talkshows, trafen sich mit der Bundeskanzlerin und erinnerten mit gezielten Aktionen immer wieder an die Risiken der Erderwärmung. Tatsächlich scheint inzwischen aber eine Reihe von ihnen ernsthaft zu erwägen, den Protestmarsch auf der Straße gegen den durch die parlamentarischen Institutionen einzutauschen.

          Jakob Blasel ist so weit. Das Gründungsmitglied, Jahrgang 2000, kündigte am Mittwoch auf Twitter an, für den nächsten Bundestag kandidieren zu wollen. Die Entscheidung sei in ihm lange gereift, sagte Blasel der F.A.Z. Er sei immer wieder mal von Parteien angesprochen worden. Lange habe er das für sich abgelehnt. Schließlich sei die Bewegung sehr erfolgreich gewesen.

          Blasel stellte vor kurzem sein Engagement bei FFF ein

          Fridays for Future ist offenkundig an eine Grenze gestoßen, die die Bewegung nicht überschreiten kann. Mehrheiten gegen Erderwärmung, Dürren und Klimakollaps gibt es. Aber die im Bundestag verabschiedeten Schritte reichen nicht aus, um den notwendigen deutschen Beitrag zu Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu leisten. Blasel will nun selbst die Lösungen durchsetzen. „Es braucht Leute, die die Radikalität in die Parlamente tragen“, sagte Blasel. Vor anderthalb Monaten stellte er still und leise seine Arbeit als Sprecher für die Bewegung ein.

          Er ist kein Einzelfall mehr. Das Portal „Business Insider“ berichtete am Mittwoch über Urs Liebau, einen weiteren Aktivisten der Bewegung, der auf einer Magdeburger Liste antreten wolle. Wie Blasel für die Grünen. Auch die SPD und Linkspartei führten Gespräche. Aus der Bewegung hieß es gegenüber der F.A.Z., gegenwärtig seien fünf Aktivisten, die noch aktiv seien oder gerade erst ihr Engagement eingestellt hätten, in Gesprächen über ähnliche Kandidaturen. Hinzu kommen Kandidaturen auf kommunaler Ebene, etwa bei der Wahl in Köln im September.

          Dabei ist nicht immer klar, ob von den Parteien oder den Aktivisten das stärkere Engagement ausgeht. Blasel ist schon seit Jahren Mitglied bei den Grünen und absolvierte bereits im Frühjahr ein Praktikum bei der klimapolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lisa Badum. Nun will er auf der schleswig-holsteinischen Landesliste antreten. Er wisse, dass es viele andere gebe, die ähnliche Gedanken hätten, sagt Blasel. Sprechen will er über sie aber nicht. Aber er persönlich habe für seine Entscheidung viel Zuspruch erhalten.

          Für Leonie Bremer ist dieser Schritt nicht überraschend. Sie ist eine der Sprecherinnen von Fridays for Future in Deutschland. Wie Blasel, Luisa Neubauer und Carla Reemtsma ist sie eines der bekanntesten Gesichter der Bewegung in Deutschland. Sie ist mit Blasel befreundet und hat öfter mit ihm über seine Entscheidung gesprochen.

          Sie respektiert den Schritt Blasels, schließt eine Kandidatur aber für sich selbst aus. „Statt frustriert bin ich hoch motiviert“, sagt sie am Telefon. „Ich halte mich an den Erfolgen von Fridays for Future fest.“ Die Studentin der Erneuerbare Energietechnik zweifelt auch daran, dass sich die Radikalität der Proteste in die Parlamente tragen lässt. „Das Partei-System lebt vom Kompromiss. Darum schließen sich die Arbeit bei Fridays for Future und eine politische Kandidatur auch gegenseitig aus.“

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