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„Fridays for Future“ : „Rettet die Welt“ statt „Rettet den Odenwald“

Wir streiken bis ihr handelt: Protestzug durch Michelstadt Bild: Felix Schmitt

Aus den Schülerprotesten der „Fridays for Future“ hat sich eine Bewegung formiert, die auch im ländlichen Raum aktiv ist. Beispiel: Michelstadt im Odenwald. Wieso gehen hier plötzlich Hunderte auf die Straße?

          8 Min.

          In Michelstadt wird nicht oft demonstriert. Die letzte große Kundgebung ist drei Monate her, 250 Leute gingen gegen Windräder auf die Straße. Sie forderten ein „sofortiges Moratorium der Windindustrieanlagen“ in der Region. Aus Sicht der Demonstranten verschandeln die wummernden Rotorenblätter und die blinkenden Masten den Odenwald. Es ist eine Gruppe, die es seit fast zehn Jahren gibt, und die so gut organisiert ist, dass selbst die Windkraftbefürworter sagen: „Von denen können wir noch was lernen.“ Wie die meisten Windkraftgegner treibt die Menschen im Odenwald die Sorge um, dass ihr Haus an Wert verliert, es geht um Heimat, natürliche Landschaften und den Schutz bedrohter Tiere.

          Sarah Obertreis

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Insofern sind ihre Motive nicht grundsätzlich anders als die der ersten Odenwälder Ortsgruppe der Fridays for Future-Bewegung. Nur dass es den Jugendlichen nicht bloß um Michelstadt geht. Sie rufen nicht: „Rettet den Odenwald“, sondern „Rettet die Welt“. Es geht um Themen, die auf den ersten Blick weit weg sind von den idyllischen Fachwerkhaus-Fassaden im Süden Hessens – um einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle, um deutlich schärfere CO2-Ziele. Etwa 150 Jugendliche versammeln sich dafür an einem Freitagmorgen zur ersten offiziellen „Fridays for Future“-Demonstration in Michelstadt. Ein paar ältere Grüne und Lehrer sind auch gekommen. Der Zug setzt sich in Bewegung, an der B47 vorbei, in Richtung der idyllischen Fachwerkhaus-Fassaden. Die Autofahrer weichen nur widerwillig aus. Die Jugendlichen rufen: „Motor aus, Motor aus!“ und „Leute, lasst das glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“ Die Autofahrer schütteln den Kopf. Die Jugendlichen tragen ein Transparent vor sich her, auf dem – inspiriert von der Klimaaktivistin Greta Thunberg – steht: „Wir streiken, bis ihr handelt“.

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