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Fridays for Future : Die Klimakrise wird banalisiert

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Uns wird vorgeworfen, Gesetze zu brechen und grundlos Panik zu schüren. Dabei ist Klimaschutz ein wissenschaftlich unumstrittenes Anliegen. Ein Gastbeitrag von Fridays for Future in der F.A.Z. Woche.

          „Mehr Sachargumente und weniger Moralisierung“: Das hat Alexander Mitsch, Vorsitzender der konservativen Werteunion, kürzlich gefordert. Und zugleich hat er der Fridays-for-Future-Bewegung vorgeworfen, Gesetze zu brechen, populistisch zu argumentieren und sich instrumentalisieren zu lassen.

          Mit dieser Art von Vorwürfen lebt FFF seit Wochen. Populismusvorwürfe gegen Fridays for Future gibt es seit dem ersten Mal, als junge Menschen gestreikt haben. Die Klimakrise, das eigentliche Thema, wird ignoriert oder banalisiert. Stattdessen wird uns unterstellt, grundlos Panik zu schüren. Es ist leicht, Fridays For Future Populismus vorzuwerfen. Es scheint so leicht, weil wir uns auf ein Thema, das Klima, fixieren, die Bösen, Politik und Wirtschaft, der Untätigkeit bezichtigen und eine düstere Zukunftsvision prophezeien. Die Lösungen wären so einfach – wir könnten das Pariser Klimaabkommen einhalten und Emissionen reduzieren –, die Zuständigkeiten sind auch klar.

          Lesen Sie den Gastbeitrag von Alexander Mitsch zum Thema hier.

          Hört auf die Experten

          Wer hier Populismus schreit, kann sich dies gedanklich schon zurechtbiegen. Wer einen zweiten und vielleicht auch dritten Gedanken auf diese Theorie verwendet, sollte schnell merken, dass diese Theorie allerdings nicht so recht greifen mag. 26 800 Wissenschaftler*innen unterstützen Fridays for Future. Die Werteunion fordert, sich auf Sachargumente zu konzentrieren – dann sollte sie es auch selbst tun. Fridays For Future ist so erfolgreich, weil konsequenter, schneller Klimaschutz ein wissenschaftlich unumstrittenes Anliegen ist. Die Aussagen der Scientists for Future sind allgemein bekannt. Statt Argumente zu widerlegen, konzentrieren sich die Kritiker*innen darauf, einzelne Personen zu attackieren. Warum folgen Politiker*innen Peripherinteressen statt der Vernunft und wissenschaftlicher Expertise? Das ist das Eigentliche und Selbstverständliche, was wir jeden Freitag und auch an jedem anderen Tag fordern: Hört auf die Expert*innen.

          Carla Reemtsma (rechts) bei Maybrit Illner.

          Über die konkrete Ausgestaltung klimapolitischer Maßnahmen kann und muss sich die Politik streiten. Warum die Werteunion die wissenschaftliche Expertise jedoch ignoriert und in ihren zehn thematischen Thesenpapieren das Wort Klima kein einziges Mal erwähnt, ist für junge Menschen nicht nachvollziehbar – und widerspricht dem Anspruch, Politik an Sachargumenten orientieren zu wollen. Wenn Politiker*innen aus der Werteunion uns nun vorwerfen, wir hätten für diese Veränderungen keine konstruktiven Vorschläge, können wir nur mit Unverständnis reagieren. Als Menschen, die diese 2000-Personen-Vereinigung nur vom Namen her kannten, mussten wir erschrocken feststellen, dass diese Gruppierung innerhalb der mitgliederstärksten Partei Deutschlands keine einzige Forderung und keine einzige Position zu diesem Thema hat.

          Man kann darüber diskutieren, wie Strukturwandel aussehen sollte. Worüber man nicht diskutieren kann, ist aber, dass ein Kohlekompromiss, der die Einhaltung selbstgesteckter Klimaziele und des Pariser Klimaabkommens verhindert, weder zukunftsweisend noch tragfähig ist und dringend reformiert werden muss. Und genau an diesem Punkt versagt die Politik in Deutschland seit Jahrzehnten parteiübergreifend: Sie verhindert mit Rücksicht auf Einzelinteressen Reformen, die für unsere Zukunft unerlässlich sind.

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