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„Fridays for Future“ : Der lange Zug von Aachen

Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demo in Aachen Bild: dpa

Die Klimabewegung versammelt in Aachen Zehntausende Menschen. Zum ersten Mal hat sie bewusst alle Altersgruppen angesprochen. Doch die Solidarisierung von „Fridays for Future“ mit radikalen Braunkohlegegnern macht der Polizei Sorgen.

          Es deutet sich schon an, dass „Fridays for Future“ diesmal groß werden wird – „historisch“ wird es die Band Culcha Candela später vor dem Tivoli-Stadion nennen –, als ein junger Demonstrant in der Regionalbahn nach Aachen umkippt, weil es schlicht zu voll ist. Er bricht lautlos zusammen und würde es Platz geben, würden ihm sicherlich alle Platz machen, aber es gibt keinen, stattdessen steigen bei jedem Halt immer mehr Demonstranten ein.

          Die internationale Protestaktion von „Fridays for Future“ an diesem Freitag in Aachen, am Rande des rheinischen Braunkohlereviers also, beginnt nicht nur am Hauptbahnhof, auch am Westpark, an der Technischen Hochschule und im niederländischen Vaals machen sich Demonstranten auf den Weg. Es gibt vier Sonderzüge und noch viel mehr Busse.

          Ein „Parkhotel“ für die Besucher

          10.000 Menschen erwarteten die Veranstalter, aber Polizei, Medien und Stadt sprechen von bis zu 20.000 Teilnehmern. Das rund 30 Köpfe starke Planungsteam von „Fridays for Future“ hat Schlafplätze und Verpflegung für alle organisiert, die von weiter her anreisen. In einem „sehr sauberen“ Parkhaus, das die Aktivisten „Parkhotel“ getauft haben, schlafen einige hundert Demonstranten. Die Stadt hat es nach einigen Diskussionen mit „Fridays for Future“ erst vor drei Wochen zur Verfügung gestellt.

          Überhaupt wird aus den Gesprächen mit den Aktivisten, mit der Polizei und mit der Stadt schnell klar, dass die Planung der Demonstration gar nicht so einfach war, auch wenn jetzt alle beteuern, dass sie vorbereitet sind und die Aktivisten in den Tagen vor der Demo betonen: „Die Stadt unterstützt uns voll und ganz.“

          Die Stadt hatte ihren „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ aktiviert. Verkehrsbehörde, Feuerwehr und Jugendamt etwa würden zusammenarbeiten, um die Massen an jungen Menschen, die in die eher kleine Großstadt einfallen, zu stemmen, heißt es. Die Polizei ächzt besonders unter der Großdemonstration, weil zu „Fridays for Future“ auch noch ein Protestcamp von „Ende Gelände“ dazukommt.

          Das Bündnis, das anders als „Fridays for Future“ vor allem über zivilen Ungehorsam gegen die Kohlebagger von RWE protestiert, plant Aktionen am Wochenende in den Bergbauten nicht weit von Aachen. Die Polizei ist sichtlich angespannt. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich die beiden Demonstrationen nicht vermischen“, sagt der Polizeipräsident. Bei „Fridays for Future“ engagieren sich zahlreiche Aktivisten, die gleichzeitig auch bei „Ende Gelände“ mitmachen.

          Solidarisierung mit „Ende Gelände“

          „Fridays for Future“ hat sich am Mittwoch in einer Pressemitteilung ausdrücklich mit „Ende Gelände“ solidarisiert: „Wir erachten zivilen Ungehorsam als legitime Protestform. Er ist zwingend notwendig zum Schutz unserer Zukunft.“ In den internen Telefonkonferenzen von „Fridays for Future“ hat es viele Diskussionen um das Solidarisierungsschreiben gegeben, aber schließlich haben es alle Ortsgruppen unterzeichnet. Die Pressesprecherin der Klimabewegung an diesem Wochenende, Rosalie Münz, versichert trotzdem: „Fridays for Future wird auf der legalen Seite bleiben.“ Münz engagiert sich auch für „Ende Gelände“.

          „Bei uns ist Land unter gerade“, sagt der Sprecher der Polizei Aachen angesichts des großen „Klimaaktionswochenendes“, zu dem Demonstranten aus 16 Ländern angereist sein sollen. Die Polizei Aachen wird von Einsatzkräften aus ganz Nordrhein-Westfalen, von der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern unterstützt. Mehrere tausend Polizisten sind bei „Fridays for Future“ und bei „Ende Gelände“ im Einsatz.

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