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Klimaprotest in Köln : Schüler üben schon mal den „typischen Blockadesitz“

Der Beschluss des Kölner Stadtrats geht den Demonstranten nicht weit genug. Der Stadtrat hatte den Klimanotstand ausgerufen und beschlossen, „dass die Eindämmung des vom Menschen verursachten Klimawandels in der städtischen Politik eine hohe Priorität besitzt“. Der Beschluss verpflichtet die Verwaltung unter anderem dazu, den Fraktionen regelmäßig über die Folgen von CO2-Emissionen und über die städtischen Gegenmaßnahmen zu berichten.

„Hohe Priorität“ ist den jungen Leuten aber zu wenig; für sie hat das Thema „höchste Priorität“. Die rund 30 Jugendlichen stimmen einen Chor an: „Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten, wer war mit dabei, die grüne Partei.“

„Wir fühlen uns von keiner Partei genug verstanden“

Auch Lili, eine Sprecherin der Bewegung, zeigt sich später schockiert über die „Respektlosigkeit“ der Politiker. „Wir fühlen uns von keiner Partei genug verstanden und ernst genommen“, sagt die 19 Jahre alte Aktivistin. Sie schätzt, dass am Montag rund 200 Leute gestreikt haben, am Dienstag sogar 300.

Lili darf offizielle Fragen wie jene nach der Teilnehmerzahl beantworten, weil sie zum Presseteam gehört – auch bei den „Fridays“ hat alles seine Ordnung. Die AG für Infrastruktur hat die beiden Dixi-Klos und das Übernachtungszelt organisiert. Die AG Essen bereitet mit einer Foodsharing-Gruppe die Mahlzeiten vor und die Programm AG kümmert sich um die Inhalte. Auch für das Wohlbefinden der Teilnehmer sind bestimmte Aktivisten zuständig.

Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt sind den Schülern und Studenten wichtig. Am Rande einer Technoparty, die zum Programm gehört, erzählt der 16 Jahre alte Konrad von seinen Erfahrungen. Er sagt, er habe viele Freunde bei den „Fridays for Future“ gefunden. Neben dem Klima hätten kaum noch andere Themen in seinem Leben Platz. Seine Gruppe in Köln sei „sehr antikapitalistisch“. Er würde aber nicht sagen, „dass wir automatisch in den Sozialismus wechseln müssen“. Aber einen grünen Kapitalismus gebe es nicht. Eine Idee, welches politische System seinen Vorstellungen besser entspräche, hat er nicht. „Ich glaube nicht, dass es unsere Aufgabe ist, die Lösung zu finden“, sagt er. Aber das sei seine private Meinung.

Der Auftrag der Jugend scheint der Protest zu sein. Und der läuft in Köln friedlich ab, wie auch die Polizei am Mittwoch bestätigt. Gemächlich spaziert ein Beamter über den Alter Markt. „Wir hätten euch eben gebraucht“, ruft ihm ein Aktivist zu. „Hättet ihr anrufen müssen“, sagt der Beamte trocken. Daraufhin verkündet der junge Mann stolz: „Wir haben Polizeisperren-Durchbrechen geübt.“

Die Sonne scheint, in den Brauhäusern nippen Touristen an ihrem Kölsch. Ein Mann mit weißem Haar trägt ein Schild mit den kölschen Originalen Tünnes und Schäl vor sich her. Sagt der eine: „Klimawandel?“ Darauf der andere: „Et hätt noch immer jot jejange.“

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