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Klimaprotest in Köln : Schüler üben schon mal den „typischen Blockadesitz“

Die Angst vorm Schwänzen ist verflogen

Joana bereitet am Dienstag auf dem Alten Markt erst einmal neue Transparente vor – für Freitag, aber auch „generell“, wie die 15 Jahre alte Schülerin sagt. Die jungen Leute wollen in den Ferien weitermachen mit ihrem Protest.

Am Freitag bekommt Joana ihr Zeugnis. Mit 18 Fehlstunden, die auf das Konto von „Fridays for Future“ gehen. „Am Anfang hatte ich noch Angst wegen Schule-Schwänzen“, sagt sie. Doch das habe sich gelegt. „Das wir auch in den Ferien kommen, zeigt, dass es um die Sache geht und nicht ums Schwänzen“, sagt sie und quetscht die schwarze Farbe aus der Tube.

Anfang August wird es einen fünftägigen „Sommerkongress“ in Dortmund geben. Für September haben Greta Thunberg, Luisa Neubauer und andere Aktivisten zu einem weltweiten Streik aufgerufen, an dem ausdrücklich auch Erwachsene teilnehmen sollen.

Neben dem Küchenpavillon, in dem die Jugendlichen gerade einen Linseneintopf kochen, haben einige Erwachsene einen Stehtisch mit grüner Decke und Rosmarin-Pflänzchen aufgebaut. Über Hol- und Bringdienste gehe ihr Einfluss nicht hinaus, sagt Markus Burbach. Der Mitfünfziger aus der Kölner Ortsgruppe hebt hervor, dass die jungen Leuten unabhängig seien. „Das machen die alles selber.“

Schon zweihundert Ortsgruppen der „Parents for Future“, also von Erwachsenen, die mit der Bewegung sympathisieren, hätten sich gebildet, sagt Burbach. Er ist sich sicher, dass die Sommerferien die Bewegung nicht lähmen werden. „Das wird jetzt nicht gestoppt.“

Während am Dienstag draußen auf dem Platz Musikgruppen spielen und Vorträge zur Erderwärmung gehalten werden, tagt im Rathaus nebenan der Rat der Stadt Köln. Auf der Besucher-Empore sitzt auch Pauline Brünger. Auf dem grauen Pulli der Schülerin mit den schulterlangen Haaren klebt ein Schild mit der Aufschrift „Versammlungsleitung“. Sie wartet auf Punkt 10.29 der Tagesordnung; die Erklärung des Klimanotstands für die Stadt Köln soll beschlossen werden. Anlass für den Wochenstreik sei die Ratssitzung aber nicht gewesen, sagt eine Sprecherin von „Fridays for Future“.

Die meisten Jugendlichen, die mit Brünger zur Ratssitzung um 14 Uhr gekommen waren, sind nicht mehr da, als gegen Abend endlich ihr Thema dran ist. Um 19.45 Uhr dringen die Rufe einiger Demonstranten durch die hohen Fenstern des Ratssaals, der nicht unmittelbar am Alter Markt liegt: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“

„Da draußen“, wird ein AfD-Politiker später sagen, seien ja die „Krakeler“ schon zu hören. Unmut im Saal. „Das Klima“, sagt er, „ist ein hochkomplexes, chaotisches System.“ Brünger hört immer noch zu. Als eine parteilose Politikerin ans Mikrophon tritt und sagt, dass die Enttäuschung der jungen Menschen „bis hier hin“ zu hören sei, ertönt hier und da ein gedehntes „Oooh“.

Brünger hat das offenbar getroffen. Nachdem Oberbürgermeisterin Henriette Reker um 19.30 Uhr feststellen konnte, dass der Antrag „mit großer Mehrheit“ angenommen wurde, geht die Schülerin hinaus zur ihren Mitstreitern. Sie beschwert sich, „wie über ‚Fridays for Future‘ geredet wurde“. Die Politiker hätten gesagt, „dass wir so verzweifelt sind, dass wir eine ganze Woche streiken müssen“, sagt sie; und dann sei ein traurig-ironisches „Oooh“ durch die Reihen gegangen. Die Bewegung fühlt sich nicht ernst genommen.

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