https://www.faz.net/-gpf-866uz

Freiwillige Feuerwehr : Einen Löschkübel für jeden Bürger

  • -Aktualisiert am

Freiwillige mit Migrationshintergrund und Frauen werden umworben

Die Bemühungen um neue Mitglieder sind vielfältig. Besonders Freiwillige mit Migrationshintergrund und Frauen werden umworben. Im Getümmel auf dem Schulhof in Rodgau sitzt auf einer Bank Asli Neziroglu, die gleich beiden Zielgruppen angehört. Neziroglu nimmt seit dem vergangenem Jahr an dem Feuerwehrprojekt teil. Sie ist Muslimin, trägt Kopftuch und ist damit bei der Feuerwehr eine durchaus ungewöhnliche Erscheinung. Damit steht sie stellvertretend für einen sich abzeichnenden Wandel von der deutschen, männerdominierten Traditionsfeuerwehr hin zu einer an kulturelle Vielfalt angepassten freiwilligen Feuerwehr. „Vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen“, sagt Henkel. „Oder auch vor fünf“, sagt Winter. Die Schülerin findet ihre Teilnahme nicht so besonders. Auch ihre türkischen Eltern hätten ihre Teilnahme an dem Projekt unterstützt. Neziroglu ist in Deutschland geboren, weiß nicht einmal, wie die Feuerwehr in dem Heimatland ihrer Eltern, der Türkei, organisiert ist. Bei ihr war keine Integrationsarbeit, keine Erklärungen hinsichtlich der Feuerwehr nötig.

Andernorts gestaltet sich das schwieriger. Im Kreis Marburg-Biedenkopf hat man 2014 deswegen ein Pilotprogramm gestartet, bei dem Teilnehmer von Integrationskursen die Feuerwehr besucht haben. Man habe dann aber schnell gemerkt, dass man erst einmal in den eigenen Reihen sensibilisieren müsse. Jetzt werden Kurse zu interkultureller Kompetenz für Feuerwehrleute angeboten. Das Beispiel zeigt: Veränderungen sind nötig, aber schwierig umzusetzen. Hinter vorgehaltener Hand gibt man zu, dass die Offenheit der Feuerwehren stellenweise an ihre Grenzen stößt und die neuen Entwicklungen mancherorts skeptisch gesehen werden.

Trotzdem ist in vielen Gemeinden das Funktionieren der freiwilligen Feuerwehr keine Frage des Wollens, sondern eine Frage des Könnens. Auch in Ginsheim-Gustavsburg im Kreis Groß-Gerau hat man trotz verschiedener Maßnahmen die Entwicklung nicht umkehren können. Die Arbeitswelt habe sich verändert, von 92 aktiven Feuerwehrleuten pendelten allein 52 tagsüber in andere Orte. Bei einer Brandmeldung sei einmal nur ein einziger Freiwilliger am Feuerwehrhaus erschienen, da habe man handeln müssen. Seit fast einem Jahr bezahlt man jetzt der Stadt Rüsselsheim 6000 Euro jährlich, damit diese personelle Unterstützung für die Nachbarn zusichert. Unüblich im Feuerwehrwesen - aber immer noch billiger als hauptamtliche Mitarbeiter einzustellen. Müssten die 23 000 freiwilligen Feuerwehren in Deutschland mit hauptamtlichen Feuerwehrleuten ausgestattet werden, entstünden nach Ansicht vieler Feuerwehrleute Kosten, welche die Gemeinden nicht ohne weiteres tragen könnten.

Weitere Themen

Topmeldungen

Trump und Biden am Dienstag bei der ersten Fernsehdebatte.

Präsidentenwahlkampf : Trump und die „Proud Boys“

Donald Trump hatte gehofft, die erste Fernsehdebatte werde die Wende im Präsidentenwahlkampf bringen. Doch sein Auftreten hat das Gegenteil bewirkt – ebenso wie seine Äußerungen zu den „Proud Boys“.
Rupert Stadler sitzt in München im Gerichtssaal.

Früherer Audi-Chef : Mit der S-Klasse zum Gericht

Rupert Stadler hat eine neue Rolle: Er muss sich im Diesel-Prozess verantworten. Früher, in seiner Rolle als Vorstandschef der prestigeträchtigen VW-Marke Audi, fand er mehr Gefallen an öffentlichen Auftritten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.