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Freigegeben ab 12? : Diese Filme gefährden Ihre Kinder

Wo „FSK 12“ draufsteht, ist oft brutale Gewalt drin. Oder Sex. Oder obszöne Sprache. Oder etwas von allem dreien. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat hundert Filme ab zwölf Jahren bewertet. Und kam dabei in 46 Fällen zu einem anderen Ergebnis als die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie (FSK).

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          Wer seine Kinder Filme schauen lässt, auf denen „FSK 12“ steht, muss damit rechnen, dass darin Szenen mit expliziter Gewalt gegen Menschen, gut sicht- und hörbarem Sex oder obszöner Sprache vorkommen. Das ist das Ergebnis eines Film-Tests der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, für den wir hundert zufällig ausgewählte Filme ab zwölf Jahren bewertet haben. Dabei kam diese Redaktion in 46 Fällen zu einem anderen Ergebnis als die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie (FSK) in Wiesbaden: In fast jedem zweiten Film fanden sich Inhalte, die wir als für zwölf Jahre alte Kinder, oft auch für ältere Kinder und Jugendliche schädlich eingestuft haben.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Im Film „Das Leben des David Gale“ etwa kämpft eine nackte Frau, mit Handschellen hinter dem Rücken und einer Plastiktüte über dem Kopf, auf dem Fußboden vergeblich gegen den Erstickungstod. In „Elementarteilchen“ schaut ein Mann seiner Freundin in die Augen, während sie in einem Swingerclub Sex mit einem anderen Mann hat. Und in „Der fremde Sohn“ werden kleine Jungen mit dem Hackebeil abschlachtet.

          Laut FSK-Geschäftsführerin Christiane von Wahlert wurden die Freigaben dieser Filme in den aus sieben Personen bestehenden Prüfgremien, die Entscheidungen von vier zu drei fällen können, „höchst kontrovers diskutiert“. Die FSK habe „die Erfahrung gemacht, dass die Einschätzung von Wirkungsrisiken tendenziell strenger wird, je kleiner ein Ausschuss ist“, sagt Frau von Wahlert. „Jugendschutzbewertungen, die von einer einzelnen Person vorgenommen werden, wie im Fall Ihres Redaktionsexperiments, könnten also durchaus im Einzelfall zu einer höheren Alterseinstufung gelangen als plural besetzte und intensiv wie ausführlich diskutierende Gremien.“

          Bei „David Gale“ ging die FSK laut Frau von Wahlert davon aus, „dass insbesondere Kinder im Alter von zwölf, 13 Jahren sehr stark mit dem Opfer mitleiden und der Todeskampf ihnen sehr nahe gehen wird, aber keine Beeinträchtigung darstellt“. Bei „Elementarteilchen“ sei eine „Desorientierung im Hinblick auf die Entwicklung eigener sexueller Werte auszuschließen“. Und zum Film „Der fremde Sohn“ befand die FSK, Jugendliche ab zwölf könnten „die von ihm hervorgerufenen Emotionen gut verarbeiten“.

          Der Regisseur Til Schweiger, in dessen Film „Keinohrhasen“ in Dialogen etwa über One-night-stands Wörter wie „ficken“, „vögeln“ und „lecken“ vorkommen, sagte dieser Zeitung: „Wenn man Begriffe aus dem Film herauspickt, dann klingt das anders, als wenn man den gesamten Film sieht. ,Keinohrhasen‘ ist ein warmherziger Film, und die Botschaft ist ja gerade nicht, dass One-night-stands erstrebenswert sind, sondern es geht um die große Liebe.“ Weiter sagte Schweiger: „Sex ist in dem Alter um zwölf Jahre schon ein Thema. Ich sage nicht, dass ich das gut finde, aber es ist der Lauf der Zeit.“

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