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Blaue Wende : Was macht eigentlich Frauke Petry?

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Bundestag, letzte Reihe: Die fraktionslose Abgeordnete der Blauen Partei Frauke Petry. Bild: AFP

Seit Frauke Petry die AfD verlassen hat, hört man wenig von der einstigen Parteivorsitzenden. Wie läuft es mit ihrem Projekt, der „Blauen Wende“? Der Versuch einer Annäherung.

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          Vielleicht sollte eine Betrachtung von Frauke Petry nicht mit Frauke Petry beginnen. Sondern mit Sylvia J. Sylvia ist 48 Jahre alt, hat drei Kinder und arbeitet als Trauerrednerin. Eine Frau mit kurzen Locken, roten Wangen und auffallendem Türkis-Schmuck. Sie lacht oft. Mehrmals hat sie Frauke Petry ihre Mitarbeit angeboten, via Facebook und auch per Mail. Als keine Antwort kam, ist sie an einem klirrend kalten Dienstagabend von Dresden nach Pirna gefahren, zur Eröffnung von Petrys Wahlkreis-Büro. Jetzt sitzen die beiden Frauen in einer Ecke des quadratischen, hell gefliesten Raumes und unterhalten sich. Vor ihnen auf dem Glastisch liegt ein Teddy, Petry stillt ihren acht Monate alten Sohn Ferdinand, Silvia isst einen Apfel. Es geht familiär zu, Petry hat zu Bockwurst und Bier geladen. Gekommen sind vor allem Männer über 50. Und Sylvia.

          Sylvia hat in der Flüchtlingshilfe gearbeitet, schimpft aber auf die Abschiebepraxis in Deutschland. Gefühlskälte gegen Syrer ist ihr zuwider, Flüchtlinge aus den Maghreb-Staaten sind für sie keine richtigen Flüchtlinge. Sie hält die CDU für beliebig und die AfD für zu rechts. Sie sagt, die „Gender-Ideologisierung“ habe die Parteien von ihren Wählern entfremdet – und ist empört über die sexistischen Entgleisungen von Präsident Trump. Sie hatte früher Sympathien für die AfD und mittlerweile Angst, dass die Partei zu mächtig wird. Sie ist der Prototyp des Wählers, wie ihn sich Frauke Petry für ihre Blaue Wende vorstellen dürfte. Konservativ, differenziert, informiert und – wie viele, die an diesem Abend gekommen sind – unglaublich enttäuscht von den Parteien.

          Auf diese Enttäuschung setzt Petry. Sie hat die AfD verlassen und ist nun Bundes- und Landtagsabgeordnete der Blauen Wende. Hier soll alles anders sein: weniger Parteipolitik, mehr Inhalte. Konservativ, aber ohne den Igitt-Faktor der AfD. Ein Bürgerforum mit der Blauen Partei im Hintergrund, einer „schlanken Parteistruktur“ – so steht es auf der Website –, um an Wahlen teilnehmen zu können. Auf den Wahllisten sollen aber nicht nur Parteipolitiker stehen, darauf legt Petry Wert, sondern auch politisch Aktive, die sich nicht zwangsläufig an eine Partei binden wollen.

          Die Blaue Wende ist das Anti-Parteien-Projekt einer ehemaligen Parteichefin.

          Der Zeitpunkt ist gut, es gibt eine Menge Sylvias in Deutschland. Die Personalquerelen in der SPD haben bei vielen den Eindruck verstärkt, dass es den Parteien mehr um Posten als um Inhalte geht. Schon bei der Bundestagswahl haben CDU und CSU insgesamt 8,5 Prozentpunkte verloren, knapp eine Million Wählerstimmen an die AfD. Es ist en vogue, den konservativen Wähler zu umwerben. In der CDU pochen junge Politiker auf ein schärferes konservatives Profil, die CSU zielt auf die Rückkehr an die Stammtische, sogar die FDP setzt Akzente rechts der CDU. Kann die Blaue Wende mehr sein als ein Nischenprodukt?

          Petry sitzt in der Cafeteria des Reichstagsgebäudes und findet: Ja. Zwar kommen zu den Veranstaltungen nicht allzu viele Menschen, aber das sei so gewollt. Schließlich gehe es darum, im kleinen Rahmen zu diskutieren – also mit maximal 250 Interessierten. Insgesamt haben sich rund 3000 Menschen beim Bürgerforum registrieren lassen. Es ist Sitzungswoche, wieder ein Dienstag. Baby Ferdinand krabbelt munter zwischen den Stuhl- und Tischbeinen. Ab Mittwoch tagt das Plenum, vormittags treffen sich die Ausschüsse. Dienstag ist reserviert für die Arbeit in den Fraktionen oder im Büro. Aber ein festes Büro hat Petry zu dem Zeitpunkt noch nicht und eine Fraktion… Nun ja. Seit sie nicht mehr in der AfD ist, hört man kaum etwas von ihr – abgesehen von Rechtsstreitigkeiten. Zuletzt hat der Bundestag ihre Immunität aufgehoben.

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