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Blaue Wende : Was macht eigentlich Frauke Petry?

  • -Aktualisiert am

Schließlich war es Petry, die den Parteimitgründer Bernd Lucke vor fast drei Jahren aus der AfD drängte. Sie war es, die bei der letzten Sachsen-Wahl mit der Forderung nach Volksentscheiden beim Bau von Moscheen mit Minaretten antrat. Petry war es, die sich Anfang 2015 mit der offen fremdenfeindlichen Pegida traf – was damals im AfD-Vorstand umstritten war – und inhaltliche Schnittmengen feststellte. Und sie war es, die den umstrittenen, weit rechten Thüringer Abgeordneten Björn Höcke gewähren ließ, solange er ihr nutzte. Er musste erst über den „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ fabulieren, bis sie sich von ihm distanzierte. „Ich habe schon 2014 nicht mit ihm zusammengearbeitet“, sagt Petry. „Aber ich habe nicht öffentlich gegen ihn agiert. Das kann man mir vorwerfen. Ich habe versucht, ihn intern einzugrenzen und nach außen Geschlossenheit zu wahren.“ Geschlossenheit in einer Zeit, in der die AfD sich schon öffentlich zerlegte und die in der Abspaltung von Lucke ihren Höhepunkt fand.

Wie glaubwürdig ist Petry?

Petry ist nie mit platten Parolen aufgefallen, Aussagen à la Höcke kämen ihr nicht über die Lippen. Sie stellt dem „Ethnopatriotismus“ der AfD einen „Kulturpatriotismus“ der Blauen Wende entgegen. Sie sagt: „Solange mein Nachbar integriert ist, die deutsche Sprache spricht und Deutscher geworden ist, ist mir völlig egal, welche Hautfarbe er hat. Aber das werden Sie bei der AfD nur noch vereinzelt finden.“ Sie findet, die Flüchtlingsfrage sei das alles entscheidende Thema für Deutschland und Europa. Und teilt Artikel der „Jungen Freiheit“ auf Twitter. Auf die Frage, warum sie sich mit Marine Le Pen getroffen hat, die Vorsitzende des rechtsextremen Front National, sagt sie: „Ich glaube nicht, dass 25 bis 30 Prozent der Franzosen extremistisch wählen.“ Marine Le Pen werde zwar in Deutschland als problematisch wahrgenommen. „Ich aber halte sie für eine kluge Politikerin, die in gemäßigtere Gefilde vorstoßen möchte. Mit einem Björn Höcke würde sie sich nie auf die Bühne stellen.“ Das mag stimmen: Marine Le Pen möchte die Partei umbenennen und sich endgültig vom Erbe ihres Vaters und Parteigründers Jean-Marie lossagen, der mehrfach wegen antisemitischer und rassistischer Äußerungen verurteilt wurde. Gleichwohl stand auch schon seine Tochter Marine vor Gericht, wegen Anstachelung zum Rassenhass. Sie hatte betende Muslime mit Nazis verglichen. Ihr Verfahren endete allerdings mit einem Freispruch.

Zumindest den Gästen, die zur Eröffnung von Petrys Wahlkreisbüro nach Pirna gekommen sind, sind solche Fragen egal. Sylvia J. etwa war schon immer von Frauke Petry begeistert – ob nun in der AfD, in der Blauen Partei oder fraktionslos. Und das sehen die meisten so. Zu späterer Stunde stürzt ein Mann herein, lange Haare, Holzfällerhemd. „Ich möchte zu Frau Petry“, sagt er und nickt erwartungsvoll. Kaum hat er sie entdeckt, zückt er sein Handy, macht ein Foto und strahlt. Dann isst er eine Bockwurst und entschwindet in die Nacht.

„Ich bin zufrieden“, sagt Petry, als der Abend zu Ende geht. Rund 40 Leute sind gekommen, am Morgen danach gibt es ein paar Zeitungsartikel. Für die große konservative Bewegung wird das nicht reichen.

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