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Frauke Petry : Die Galionsfigur der Nationalkonservativen

Frauke Petry wird auf dem Bundesparteitag in Essen zur alleinigen Vorsitzenden gewählt. Bild: dpa

Zu Beginn ihrer Parteikarriere war Frauke Petry ein unbeschriebenes Blatt. Ihren Aufstiegskampf bestritt sie mit den Ängsten der Sachsen. Nun steht sie für das Versprechen, die AfD nicht vom Populismus fernzuhalten. Ein Porträt.

          Zu Beginn ihrer Parteikarriere war Frauke Petry ein unbeschriebenes Blatt. Nichts in ihrer Biographie empfahl sie für hohe Aufgaben in der AfD oder gab ihr jene Autorität, mit der andere wucherten. Sie war nicht ein Ökonomieprofessor wie ihr Kontrahent Bernd Lucke, der Mitgliedern das Gefühl vermittelte, nicht nur die Eurokrise, sondern auch die Welt im Ganzen qua seiner Zahlenkompetenz durchdrungen zu haben. Sie war nicht ein Intellektueller wie Alexander Gauland oder ein Veteran der Anti-Euro-Bewegung wie Joachim Starbatty. Petry war eine promovierte Chemikerin aus Dresden, die eine - mittlerweile insolvente - Firma gegründet hatte, die Reifendichtmittel herstellte. Und sie war und ist eine 40 Jahre alte Mutter von vier Kindern, verheiratet mit einem evangelischen Pfarrer.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Doch Petry fiel auf. Sie konnte reden, und in Wortgefechten auf Parteitagen mühelos bestehen. Irgendwann wurde die sächsische Landesvorsitzende und damalige Ko-Parteivorsitzende neben Lucke zu Landesparteitagen in der ganzen Republik gerufen - um schwierige Marathonsitzungen zu leiten, die Stehvermögen verlangten.

          Dass sie einmal für einen Rechtsruck in ihrer Partei stehen könnte, war in ihrer Biographie ebenfalls nicht angelegt. Bis zuletzt wurde in der AfD gesagt, ihre ideologischen Differenzen mit Lucke seien minimal.

          Ihre Beziehung zu Bernd Lucke gilt als zerrüttet.

          Petrys Entwicklung scheint allein durch ihren Ausgangspunkt bedingt: Sie kommt aus Sachsen, einem Bundesland, das nicht nur in der AfD bei Themen wie Islam, Asyldebatte und Familienbild für einen besonders lauten Zungenschlag bekannt ist. Also tat Petry, was sie ihrer Logik nach wohl tun musste, und bediente im sächsischen Landtagswahlkampf 2014 die Sehnsüchte ihrer Klientel. Fortan war Sachsen ihre Machtbasis - und sie selbst auf Ausländer- und Familienthemen festgelegt, die sie von den Wirtschaftsthemen eines Bernd Lucke unterschieden.

          Die Ängste der Sachsen waren ihr Pfund, mit dem sie auch im eigenen Aufstiegskampf wucherte, der sich nach der Insolvenz ihrer Firma ganz auf die Partei konzentrierte. Als im Zuge der Pegida-Debatte viele eine Distanzierung von solchen Bauchgefühlen forderten, konnte Petry ihre Hausmacht gefährdet sehen - und fing an, für eine inhaltliche Verbreiterung der AfD zu kämpfen, die in der Öffentlichkeit nicht nur mit Eurokritik in Verbindung gebracht werden sollte, sondern auch mit ihren Themen. Mehr und mehr wurde sie so zur Galionsfigur der Nationalkonservativen, die sie brauchen - wie umgekehrt auch.

          Über Petrys Persönlichkeit wird in der AfD fast so schlecht geredet wie über Luckes - je nachdem, wen man fragt. In der Öffentlichkeit gelingt es ihr aber besser als ihrem Kontrahenten, Sympathien zu gewinnen. In den Hinterzimmern der Gremien wird ihr ein taktisches Verhältnis zu Bündnissen wie auch zur Wahrheit nachgesagt - und das wohlbemerkt auch in Kreisen jener Nationalkonservativen, die sie am Samstag zur Parteivorsitzenden gewählt haben.

          Im Gegensatz zu Lucke steht Petry in der Partei für das Versprechen, die AfD nicht vom Populismus fernzuhalten. Solche Parteikreise, deren Äußerungen in der breiten Öffentlichkeit bisweilen Grimassen auslösen, werden sie stets daran erinnern, dass dies der Preis für ihre Wahl gewesen ist.

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