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Frankreich-Strategie : Das Saarland soll zweisprachig werden

Französisch schon im Kindergarten: Im Saarland soll es bald flächendeckend unterrichtet werden. Bild: dpa

Das Saarland will Französisch als zweite Verkehrs- und Umgangssprache etablieren. Das politisch um seine Eigenständigkeit kämpfende Bundesland will sich so als „Tor zu Frankreich“ etablieren.

          2 Min.

          Im Saarland soll bis 2043 neben der deutschen Sprache Französisch als zweite Verkehrs- und Umgangssprache etabliert werden. Das kleinste deutsche Flächenland, das an Frankreich und Luxemburg grenzt, wäre damit das einzige vollständig mehrsprachige Bundesland. Die in einer großen Koalition regierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihre Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) präsentierten in Saarbrücken die entsprechenden Vorschläge ihrer „Frankreich-Strategie,“ um dieses Ziel als „Alleinstellungsmerkmal“ gegenüber anderen Bundesländern zu erreichen.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          „Die von 2013 an geborene Generation soll alle Chancen erhalten, damit sich innerhalb von drei Jahrzehnten die französische Sprache neben Deutsch zur zweiten Umgangs- und Bildungssprache im Saarland entwickeln kann“, sagte Kramp-Karrenbauer.

          „Unentbehrlich als Tor zu Frankreich werden“

          Das wegen seiner hohen Verschuldung und der zurückgehenden Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren politisch um seine Eigenständigkeit kämpfende Saarland will nach den Worten der CDU-Politikerin zudem so als „Brücke nach Deutschland und als Tor zu Frankreich unentbehrlich“ werden. Nach den Plänen der schwarz-roten Koalition soll Französisch schon in der frühen Kindheit vermittelt und unterrichtet werden - in Kitas und in Grundschulen.

          Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU): Zweisprachigkeit als „Alleinstellungsmerkmal“
          Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU): Zweisprachigkeit als „Alleinstellungsmerkmal“ : Bild: dpa

          In den nächsten Jahren, so die Vorschläge im „Eckpunktepapier“ der Landesregierung, sollen französisch sprechende Fachkräfte in der Hälfte der saarländischen Kitas die frühkindliche Spracherziehung garantieren. In der Ausbildung saarländischer Lehrkräfte, besonders bei künftigen Grundschullehrern soll die Orientierung an französischer Kultur und Sprache einen besonderen Stellwert einnehmen, heißt es weiter.

          In den Grundschulen soll von der ersten Klasse an flächendeckend Französisch unterrichtet werden. Schon vorhandene bilinguale Klassen an Grundschulen sollen ausgebaut werden, an Ganztagsschulen soll die Förderung im Fach Französisch gestärkt werden.

          Künftig Franzosen in der Verwaltung

          In der Landesverwaltung sollen künftig Französisch-Kenntnisse als Einstellungskriterium gelten. Alle im öffentlichen Dienst Beschäftigten sollen den Anspruch auf eine Sprachaus- und Fortbildung erhalten.

          Französische Bürger könnten zudem gezielt für bestimmte Aufgaben in der Verwaltung angeworben werden. Bei ihrem Vorhaben setzt Kramp-Karrenbauer auf die Bereitschaft der Saarländer, die Nachbarsprache zu erlernen. Nur wenn die „Frankreich-Kompetenz“ von den Bürgern mitgetragen werde, könne sich das Saarland nach dem Vorbild Luxemburgs zum einzigen mehrsprachigen Bundesland entwickeln.

          Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels war versehentlich davon die Rede, dass im Saarland Französisch als zweite Amtssprache eingeführt werden soll. Richtig ist, dass die französische Sprache neben Deutsch zur zweiten Umgangs- und Bildungssprache werden soll.

          Eine wechselvolle deutsch-französische Geschichte

          Die saarländische Wirtschaft ist schon seit Jahrzehnten eng auf das Nachbarland ausgerichtet. Mehr als 18.000 Beschäftigte aus der Region Lothringen arbeiten im Saarland. Politisch und kulturell geprägt ist das Saarland seit Jahrhunderten als Grenzregion zu Frankreich durch die wechselvolle gemeinsame deutsch-französische Geschichte.

          Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg besetzten französische Truppen im November 1918 die kriegswichtige Industrie- und Kohleregion an der Saar 1920 kam das „Saargebiet“ in Folge des Versailler Vertrags unter die französisch dominierte Verwaltung des Völkerbundes. 1935 entschieden sich mehr als 90 Prozent der Saarländer in einer Volksabstimmung für die Rückkehr in das Deutsche Reich.

          Nach der deutschen Kapitulation 1945 kam das Saarland abermals unter französische Besatzung. 1947 wurde das Saarland ein von Frankreich wirtschaftlich und politisch kontrolliertes „Saarprotektorat“ mit eigener Staatsbürgerschaft und Verfassung. Erst mit der Ablehnung des in einem deutsch-französischen Vertrag vereinbarten „Saarstatuts“ in einer Volksabstimmung 1955 begann die 1957 abgeschlossene politische „Rückgliederung“ des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland. Am 6. Juli 1959 erfolgte mit der Einführung der D-Mark und der Ablösung des französischen Franc als Währung der vollständige Anschluss als Bundesland.

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