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Frankreich in der EU : Die zögernde Atommacht

Kampfflugzeuge an Bord des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ Bild: Polaris/laif

Viele Deutsche misstrauen Amerika und wollen deshalb unter Frankreichs Nuklearschirm. Aber würde Macron ihn überhaupt für uns aufspannen?

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          Zwei Tage, zwei Befunde. Der erste kam am Dienstag, er war das Ergebnis einer Umfrage: Amerika ist nicht mehr der Lieblingsverbündete der Deutschen. Der ist jetzt Frankreich. Und die Deutschen wollen auch Amerikas Atomschirm nicht mehr. Nur noch ein Fünftel findet ihn gut, vierzig Prozent wollen dagegen, dass Deutschland seinen Schutz künftig in Europa sucht, bei den Atommächten Frankreich und Großbritannien.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Tags darauf, am Mittwoch, dann der Gegenbefund. Er kam von der Kanzlerin. Im Bundestag, in der Haushaltsdebatte, erwähnte sie die „amerikanischen Freunde“ schon in der ersten Minute. Warme Worte. Den europäischen Sehnsüchten des Umfragenvolks blies sie den Eiseshauch der Realität entgegen: „Europa kann sich zurzeit allein nicht verteidigen.“

          Dabei ist es kein Zufall, dass die Leute sich von Amerika abwenden. Sie sehen, wie die „amerikanischen Freunde“ unter Präsident Trump die Nato in Frage stellen. Trump ist sogar so weit gegangen, einzelne Länder herauszupicken, die er im Falle eines Falles nur ungern verteidigen würde. Zuletzt war das Montenegro. Wann würde es Deutschland sein? In der Ukraine-Affäre hat jeder sehen können, dass Trump bereit ist, abhängige Länder ohne Erbarmen zu erpressen. Und an den syrischen Kurden konnte jeder beobachten, wie er treue Verbündete von einem Tag auf den anderen fallen lässt.

          Also Europa. Also Frankreich und Großbritannien. Weil aber Großbritannien gerade von der EU Abschied nimmt, wäre seine Schutzgarantie nicht ganz glaubwürdig. Eine Nuklearmacht, die ihr Abschreckungspotential auf ein anderes Land ausweiten will, geht ein großes Risiko ein. Ein Konflikt an fremden Grenzen kann dann ihre eigene Hauptstadt zum Ziel eines Atomschlags machen. Deshalb muss die Verbindung zwischen Schützling und Beschützer eng sein, wenn so ein Abwehrpakt einen Gegner beeindrucken soll.

          Also Frankreich. Das Land hat zwar viel weniger Atomwaffen als Amerika, aber es besitzt vier Atom-U-Boote, von denen immer mindestens eines bereit ist, jeden beliebigen Angreifer mit nuklearem Feuer zu überziehen. Hinzu kommen zwei Fliegerstaffeln an Land und eine Anzahl von weiteren Bombern, die vom Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ starten können. Nach französischer Auffassung reicht das zur Verteidigung des „Sanctuaire“, des eigenen Territoriums. Die Streitmacht gilt als groß genug, um jeden Angriff auf Frankreich selbst unerträglich riskant erscheinen zu lassen. Russland zum Beispiel müsste um Moskau und St. Petersburg fürchten, wenn es unvorsichtig genug wäre, das „Heiligtum“ anzutasten.

          Zu einer „erweiterten“ Abschreckung, die neben dem eigenen Territorium auch Verbündete umfasst, gehört allerdings mehr. Der zentrale Punkt ist Glaubwürdigkeit. Das schützende Land muss dem Gegner klarmachen, dass es bereit ist, für die Beschützten tatsächlich in einen Atomkrieg zu ziehen. Wie das geht, macht Amerika seit Jahrzehnten vor. Erstens hinterlegt es Pfänder: Die Vereinigten Staaten unterhalten in vielen Ländern der Nato militärische Einrichtungen, die so wertvoll sind, dass der Schutz des Verbündeten praktisch zum Selbstschutz wird. In Deutschland gehören dazu der Flughafen Ramstein, eine zentrale Verteilerstelle des weltweiten amerikanischen Nachschubs, mehrere wichtige Kommandoeinrichtungen sowie das „Landstuhl Regional Medical Center“, das größte amerikanische Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Zu den Pfändern gehören auch Atomwaffen. Amerika verwahrt mehrere Dutzend Bomben in Bunkern auf dem deutschen Fliegerhorst Büchel. Das Signal lautet: Wer Deutschland angreift, greift Amerikas Atommacht an.

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